Archive für 7.2.2010

Religion:

Religion: Form des gesellschaftlichen Bewusstseins mit Weltanschauungscharakter. Gesamtheit von Anschauungen, Emotionen und Kulthandlungen, deren Wesen in einer phantastisch verzerrten, illusionären Widerspiegelung der Natur und der Gesellschaft im Bewusstsein der Menschen besteht. Dieses Wesensmerkmal ist allen Religionen, von den frühesten in der Urgesellschaft (Magie, Zauber, Totemismus) über die polytheistischen Stammes- und Volks-Religionen bis zu den entwickelten Formen des Monotheismus (Christentum, Islam, Buddhismus), gemeinsam.Da die religiösen Anschauungen den Ursprung und das Wesen der Welt letztlich in einer übernatürlichen, geistigen Macht sehen, sind sie ihrem Inhalt nach eng verwandt mit dem objektiven Idealismus. Die Entstehung, Veränderung und auch das allmähliche Absterben der Religion gehen notwendig aus dem materiellen Lebensprozess der Menschen hervor.

In ihren frühesten Formen widerspiegelte die Religion zunächst die Abhängigkeit der Menschen von den elementaren Naturgewalten, die sie infolge der geringen Entwicklung der Produktivkräfte noch nicht beherrschen konnten. Die nicht erkannten, daher noch geheimnisvollen Naturkräfte widerspiegelten sich in den religiösen Anschauungen als übernatürliche Mächte, und die Menschen suchten ihre Ohnmacht gegenüber den natürlichen Mächten zu überwinden, indem sie die Geister (später Götter) durch Opfer, Beschwörung, Gebete usw. günstig zu stimmen suchten und um Hilfe baten. Nach dem Aufkommen der Klassengesellschaft entstand für die Volksmassen eine neue Form der Abhängigkeit und Ohnmacht, die in der weiteren Entwicklung zur wichtigsten Grundlage der Religion wurde: „Aber bald treten neben den Naturmächten auch gesellschaftliche Mächte in Wirksamkeit, Mächte, die den Menschen ebenso fremd und im Anfang ebenso unerklärlich gegenüberstehen, sie mit derselben scheinbaren Naturnotwendigkeit beherrschen wie die Naturmächte selbst. Die Phantasiegestalten, in denen sich anfangs nur die geheimnisvollen Kräfte der Natur widerspiegelten, erhalten damit gesellschaftliche Attribute, werden Repräsentanten geschichtlicher Mächte.“ (Engels, MEW, Band 20, S. 294)

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