Beitrag in einer Diskussion.

Beitrag in einer Diskussion.

Den folgenden Beitrag habe ich in einem Forum geschrieben. Im ursprünglichem Beitrag ist es um eine Aktion gegangen und um deren Unterstützung. In diesem Zusammenhang wurden einige Punkte des Aufrufes zu Recht kritisiert, aber auch die Frage nach dem Sinn von Bündnissen überhaupt gestellt. Das gerade auch solche Diskussionen theoretische Fragen aufwerfen, ist nicht schlecht, wobei solches durchaus belebend für die Diskussion selbst sein kann. Grundsätzlich ist es durchaus Notwendig bestimmte Voraussetzungen zu schaffen, in dem gemeinsame theoretische Grundlagen erarbeitet werden. Das ich den Beitrag hier veröffentliche hat mit der Ausrichtung dieses Blogs zu tun, in welcher die Beschäftigung mit der Theorie des Marxismus-Leninismus im Fordergrund stehen soll.

 

Hallo,

nun sind wir nicht Lenin und die Frage, was würde wohl Lenin, oder auch Marx, Engels und wer weiß nicht noch alles dazu sagen, ist eigentlich müßig und rein spekulativ. Tote sagen nichts mehr, selbst wenn sie noch im einbalsamierten Zustand als Reliquie existieren.

Da nun aber solche Situationen nicht unbedingt neu sind und selbst Marx, Engels und Lenin mit ähnlichem konfrontiert waren, kann man durchaus nachschlagen und das eine und andere Interessante erfahren. Dabei sollte aber Berücksichtigung finden, dass Marx und Engels die Anfänge des Endes des Kapitalismus der freien Konkurrenz noch erlebt haben, welches sich zum Beispiel in ihren späteren Schriften, speziell auch zur Auseinandersetzung mit den Entwicklungen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, widerspiegelt. Lenin hingegen hat gerade noch das Ende dieser Phase des Kapitalismus erlebt und das hinüber gleiten in den Imperialismus, sowie den Imperialismus seiner Zeit analysiert. Aus den gewonnen Erkenntnissen und den Erfahrungen aus dem Kampf der Arbeiterklasse unter den veränderten Bedingungen, hat er seine Schlüsse gezogen. Welche gerade auch sein Handeln innerhalb der russischen Sozialdemokratie bestimmte und entscheidend die Spaltung selbiger beeinflusste. Seine Theorie, denn etwas anderes war es anfänglich noch nicht, von der Partei neuen Typs, hatte sehr konkrete historische Ursachen und war somit nicht aus der Luft gegriffen, sonder den Entwicklungen im Imperialismus geschuldet. Im Besonderen auch der Tatsache, dass immer stärker kleinbürgerliche Kräfte, welche von der imperialistischen Entwicklung überrollt wurden, versuchten, die sozialistische Bewegung in ihrem Interesse zu vereinnahmen und damit den ursprünglichen proletarischen Zielen zu entfremden. In diesem Zusammenhang sollten seine Äußerungen zur Bündnispolitik, sowie zur Rolle der Gewerkschaften und der Rolle der Partei neuen Typs innerhalb der Gewerkschaften, wie auch in der Gesellschaft Berücksichtigung finden.

So betrachtet hatte sich Lenin nicht in eine Partei eingebunden, sonder er hat die Spaltung einer Partei betrieben und das nicht ohne Grund, sondern um gerade diesen kleinbürgerlichen Einfluss, welcher zur Verfälschung der Zille des Proletariats, im Interesse des Kleinbürgertum führte, zurück zu drängen. Dabei war die Spaltung, nach langen inhaltlichen Auseinandersetzungen, das letzte Mittel. Sie erfolgte also erst auf einen ganz bestimmten Grad der Entwicklung. Nämlich als ein gemeinsamer Weg nicht mehr möglich war, als die von den Aktören vertretenden Interessen sich zu weit von einander entfernt hatten.

Dieses war aber nicht neu, denn schon Marx und Engels hatten sich mit dieser Problematik auseinander gesetzt und sich gegen Vereinigungen um jeden Preis, also um des Vereinigenswillen, ausgesprochen. Zu den gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten gehört es auch und sollte nicht vergessen werden, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse selbst die Kräfte hervorbringen, welche ihren Erhalt befördern, wie auch jene Kräfte, welche dazu in der Lage sind, diese Verhältnisse selbst grundlegend zu verändern. Dieses bedeutet auch, dass bestimmte gesellschaftliche Voraussetzungen erst einmal entstanden sein müssen. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass sich gerade auch Marx, Engels und Lenin mit den Kämpfen ihrer Zeit auseinandergesetzt haben und aus den Ergebnissen dieser die entsprechenden Schlüsse gezogen.

Dass nun die kommunistische Bewegung in diesem Land nicht gerade groß ist und dazu noch sehr zersplittert, hat so auch bestimmte historische Ursachen, welche es wert sind ergründet zu werden. Sie sind es nicht nur wert, es ist eigentlich zwingend Notwendig!

Des weitern wird von einem gemeinsamen Nenner gesprochen, nur was soll der gemeinsame Nenner sein und was hält davon ab selbiges zu tun, ihn also zu benennen? Letztlich bleibt uns doch nichts anderes übrig, als dasselbe wie Marx, Engels und Lenin zu tun, die gesellschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit zu ergründen, das Kind beim Namen zu nennen und die entsprechen Schlüsse für ein gemeinsames politisches Handeln zu ziehen. Anleitung dafür können in jedem Fall die Klassiker geben, da bei ihnen gut nachzulesen ist wie die verschiedensten Auseinandersetzungen geführt wurden/werden können. Führen müssen wir diese in unserer Zeit selbst, dass kann uns keiner abnehmen und dabei sollten wir es vermeiden unsere Weltanschauung als etwas göttliches anzusehen, und ihre Wissenschaftlichkeit zur Religion mutieren zu lassen. Gerade die Folgen letzteres haben wir in der jüngeren Vergangenheit zu spüren bekommen, das ist aber ein Thema für sich. 

Es ist durchaus wichtig, neben den Tageszielen, welche auch ihre Widerspiegelung in den verschiedensten Aktionen finden, das Hauptziel einer Bewegung zu bestimmen. Und gerade bei den Tageszielen, ist es wichtig, die Losungen den gegebenen Bedingungen und den sich daraus ergeben Möglichkeiten anzupassen. Gelingt dieses nicht, werden sich die Ziele selbst gegen einen wenden, und man wird bestenfalls der Spinnerei bezichtigt. So kann durchaus auch auf Erfolgen aufgebaut werden, welche eigentlich im bürgerlichen Interesse erzielt worden sind und sich somit heute besonders in Verteilungskämpfen wieder spiegeln. Die meisten Aktionen gehen heute in diese Richtung und haben eine grundlegende Veränderung des gesellschaftlichen Systems nicht im Blick, sie sind es im Interesse der Menschen trotzdem wert unterstützt zu werden. So ist zum Beispiel der Kampf gegen den Faschismus ein aussichtsloser, maximal dem Faschismus einschränkender, solange die Voraussetzungen für den Faschismus selbst nicht beseitigt werden. Es ist trotzdem Notwendig diesen zu führen, ähnlich ist es z. B. mit dem Kampf um die Besteuerung von Spekulationsgewinnen, zwar werden dadurch Spekulationen letztlich nicht einmal eingedämmt, da ihre Ursachen anders bedingt sind, aber es können eventuelle Lasten umverteilt werden. In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, über die eigentlichen Ursachen gesellschaftlicher Problem, aufzuklären und gerade in diesem Punkt unterscheiden sich Kommunisten von anderen, da eine konsequente Analyse unter Anwendung des dialektischen und historischen Materialismus, letztlich zum Schluss führt, dass die gegenwärtigen Probleme der Menschheit, oder auch nur in einem Staat, nicht innerhalb des kapitalistischen Systems zu lösen sind. Dieses bedeutet aber nicht, dass die Auswirkungen der verschiedensten Probleme/Widersprüche nicht innerhalb des kapitalistischen Systems unter Umständen und Partziel gelindert werden können und auch müssen, letztlich sich aber immer weiter verschärfen und zuspitzen werden. Nur was sind eigentlich die grundlegenden Probleme dieses Systems und was sind ihre Ursachen und warum kann dieses System nicht anders, ja, warum können viele Probleme innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsformation, selbst beim besten Willen, nicht gelöst werden, auch nicht durch Umverteilung?

Ja, aus Aktionen können Schlüsse gezogen werden, aber sie werden nur mäßig erfolgreich sein, wenn diese nicht auf einer bestimmten theoretischen Grundlage gezogen werden. So ist das Leben auch etwas sehr praktisches, was und das entspricht durchaus unserem Menschsein, theoretisch durchdrungen werden will. Es ist wichtig, die inneren Zusammenhänge, die objektiv in der jeweiligen Gesellschaftsformation wirkenden Gesetzmäßigkeiten, zu erkennen, das entsprechenden Werkzeug ist uns an die Hand gegeben, es kommt nur darauf an es auch zu nutzen. Dabei kann die Theorie durchaus zur materiellen Gewallt werden, aber nur wenn sie die Massen ergreift. Bei Marx ist in diesem Zusammenhang zu lesen: „Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem |am Menschen| demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.“

Solidarischen Gruß

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