Archive für 6.8.2010

Marinaleda, ein sozialistisches Dorf in Andalusien

Ein interessanter Erlebnis- und Erfahrungsbericht von Sepp Aigner, über ein Dorf in Andalusien, findet sich hier. Er ist nicht nur interessant zu lesen, sondern zeigt auch, was selbst unter den Bedingungen des Kapitalismus möglich ist.

Marinaleda, ein sozialistisches Dorf in Andalusien

Voriges Jahr ungefähr um diese Zeit habe ich Marinaleda besucht und danach den folgenden Artikel geschrieben. Er handelt von einem erstaunlichen Dorf in Andalusien, einem Asterix-Obelix-Dorf sozusagen, in dem Menschen dem alles verschlingenden Geldwahn ein Leben entgegensetzen, in dem “Geld nicht alles” ist. Das ist dort tatsächlich ein geflügeltes Wort, ein Alltagsspruch, der nicht nur einen Traum auf den Punkt bringt, sondern das wirkliche Leben in Marinaleda. Der Unterschied zum gallischen Comic-Dorf ist: In Marinaleda wird nicht ein letzter Rest alter, untergehender Verhältnisse verteidigt, sondern da ist ein Keim für eine mögliche Zukunft gelegt. In Marinaleda lebt es sich besser als irgendwo sonst auf dem Land in Andalusien, weil dort “Geld nicht alles” ist.

Hier stehen meine Eindrücke vom vergangenen Sommer:

Marinaleda, ein erstaunliches Dorf in Andalusien

Zufällig zappte ich über TVE 2, als eine Dokumentation über Marinaleda lief. Ich blieb hängen, war fasziniert, las nach, was es im Internet darüber gibt. Das war im Juni 2009. Anfang August schaute ich mir das Dorf selber an. Hier ist der Bericht.

Was ist das Besondere an Marinaleda? - Seine Bewohner arbeiten in demokratisch organisierten Genossenschaften, und entsprechend soll es auch im Dorf selbst zugehen. Es soll sich dort anders, besser, freier, solidarischer leben. So behauptete die Doku und steht es im Internet. Ich war skeptisch. Kann denn so etwas gehen, mitten im Kapitalismus der neoliberalen Reformen?

Annäherung

Nach kleinen zwei Stunden Flug von Palma nach Malaga und hundert Kilometern mit dem Bus war in Estapa Endstation. Der Überlandbus fuhr nach Sevilla weiter. Busverbindungen zwischen den Dörfern sind ähnlich selten wie auf Mallorca. Weiter ging es nur noch mit dem Taxi.

Ich war mitten in Andalusien, auf dem flachen Land. Die Dörfer liegen, alle zehn Kilometer eins, verstreut zwischen Olivenplantagen und endlosen Feldern. Rote, fruchtbare Erde liegt nackt da, schon umgepflügt nach der Getreideernte. Auf den steinigen Flächen, weißlich-sandigem Boden, hat man Oliven gepflanzt, Abertausende in Reih und Glied und Zeile neben Zeile. Der Bus hatte nach Malaga eine steile Hügelkette gequert. Marinaleda liegt an ihrem jenseitigen Fuß. Das Land ist noch nicht eben, wie weiter nördlich zum Tal des Gualdalquivir, nach Sevilla hin. Aber die Hügel verlaufen sich schon in weiten Schwüngen, sind schon mehr schräg gestellte Ebenen, auf- und absteigend.

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