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Gedanken zum kommunistischen Manifest und kommunistischer Bewegung.
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 25.12.2010 @ 15:24 In Links-bewegt., aus Diskussionen | 4 Kommentare
Heute erhielt ich folgenden interessanten Text von [1] Georg Dorn. Er ist überschrieben mit: „Das Manifest der Kommunistischen Partei und wir“ und ist gedacht zur Veröffentlichung als Diskussionsgrundlage auf dieser [2] Seite. Das Einverständnis des Autors voraussetzend, hier besagter Text:
Das Manifest der Kommunistischen Partei und wir
„Die Geschichte aller bisherigen (Hervorheb. G.D.) Gesellschaft (mit Ausnahme der Urzustände“, wie Friedrich Engels nachträglich ergänzte) „ist die Geschichte von Klassenkämpfen….Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“ (MEW, Bd. 4)
Mit dieser analytischen Feststellung umfassen Marx und Engels im allerersten Programm der kommunistischen Weltbewegung den Kern aller politischen Kämpfe der Menschheit seit der Herausbildung der in Klassen gespaltenen menschlichen Gesellschaft, erklären ein objektiv wirkendes Gesetz gesellschaftlicher Entwicklung, gleich in welchem Land, gleich auf welchem Kontinent. Und wer nur ein klein wenig Geschichtsverständnis aufbringen kann, findet die von ihnen herausgearbeitete Konsequenz bestätigt: In allen politischen Kämpfen, die in ihrem Wesen Klassenkämpfe waren, gab es letztlich nur zwei Möglichkeiten und eine einzige Alternative
· die revolutionäre Umgestaltung der ganzen Gesellschaft….oder
· der gemeinsame Untergang der kämpfenden Klassen.
Das wurde vor über 160 Jahren niedergeschrieben und bezog sich auf jahrtausendelange Menschheitsgeschichte. Gilt das auch heute noch? Gilt das auch historisch vorausgedacht?
Grob überschlagen ist die kapitalistische Gesellschaft und ihre Produktionsweise rund 500 Jahre alt. Sie entstand aus der revolutionären Überwindung der Feudalordnung und ihrer buntscheckigen Gesellschaftsgliederung. Marx und Engels formulierten über diesen Prozess: „Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt.“ Und weiter: „Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst….Die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden – die modernen Arbeiter, die Proletarier.“ Und schließlich: „Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt.“ (ebenda) Die Gegensätze zwischen antagonistischen Klassen haben sich also nicht nur auf den Widerspruch zwischen zwei Hauptklassen, zwischen Bourgeoisie und Proletariat, vereinfacht, sondern damit auch heftig zugespitzt. Sie im Voranschreiten des gesellschaftlichen Fortschritts zu lösen, ist nur auf revolutionärem Wege möglich: „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen (Hervorheb. G.D.) Gesellschaftsordnung.“ (ebenda) Gewalt ist hier nicht zu verstehen als gewaltsame Aktion (obwohl eine solche in Abhängigkeit vom Widerstand der Bourgeoisie nicht auszuschließen ist), sondern im Sinne der Eroberung der Macht, der Staatsgewalt.
Macht, Staatsgewalt war seit den Anfängen der antagonistischen Klassengesellschaft immer untrennbar mit dem Eigentum an Produktionsmitteln und ihrer Verfügbarkeit verbunden. Deshalb ist „die kommunistische Revolution…das radikalste Brechen mit den überlieferten Eigentumsverhältnissen….Was den Kommunismus auszeichnet, ist nicht die Abschaffung des Eigentums überhaupt, sondern die Abschaffung des bürgerlichen Eigentums….Das Proletariat wird seine politische Herrschaft dazu benutze, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktionsmittel in den Händen des Staats, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisieren und die Masse der Produktionskräfte möglichst rasch zu vermehren.“ (ebenda)
Ja, das hatten wir doch schon einmal, wird jetzt der zweifelnde Leser fragen. Das ist richtig: 70 Jahre sozialistische Sowjetunion, 40 Jahre DDR, in Europa eine ganze sozialistische Staatengemeinschaft….alles verschwunden….schwere Niederlage!….Stimmt denn das alles, was Marx und Engels im Kommunistischen Manifest schrieben? Es kann hier nicht der Platz für eine Analyse der Ursachen dieser Niederlage sein. Aber hebt sie die historische Notwendigkeit unseres Weges und damit unseres Klassenauftrages auf? Was sind Jahrtausende ausbeutender Klassenherrschaft gegen 70 Jahre Sozialismus in seiner allerersten Entfaltung gegen die immer noch existierende Weltmacht des Imperialismus in seinen derzeit perversesten Erscheinungsformen?? Selbst feudale Machtstrukturen sind in begrenzten Teilen der Welt noch immer nicht überwunden. Der deutsche Kapitalismus benötigte seit 1525 (großer deutscher Bauerkrieg, den Engels als frühbürgerliche Revolution wertete) über die Niederlage in der bürgerlichen Revolution von 1848/49 bis zur „Reichseinigung“ von oben (1871) bei gleichzeitiger Verquickung mit immer noch wirkenden feudalen Machtstrukturen rund dreieinhalb Jahrhunderte, um sich politisch zu etablieren. Trotz verheerender Niederlagen in zwei vom deutschen Imperialismus angezettelten Weltkriegen ist er heute wieder imperialistische Führungsmacht in Europa. Nimmt es da Wunder, wenn der Sozialismus in seinem ersten Anlauf einen historischen Rückschlag erlitt, zumal es sich ja um einen „Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung“ handelt, um den Aufbau einer Gesellschaft, die jede Form der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen überwinden soll, eine Gesellschaftsordnung, für die es zwar einen genialen Plan, aber noch nie vorher Realität gab?
Ja, unbestritten, der Imperialismus in seiner heute globalisierten Gestalt hat zeitweise den Sieg über diese neue Gesellschaftsordnung errungen. Das hebt aber doch die Menschheitsgefährdung durch diesen globalisierten Kapitalismus nicht auf. Im Gegenteil, sie spitzt sie immer heftiger zu. Selbst diese Globalisierung sahen Marx und Engels bereits 1848 voraus: „Die Bourgeoisie hat durch die Ausbeutung des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder globalisiert. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen.“ Und weiter über die Wirkung dieser Globalisierung: „Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Land selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.“ (ebenda)
Welche Dimensionen diese Globalisierung unter imperialistischen Bedingungen annimmt, konnten sie im Detail nicht voraussehen. Natürliche Ressourcen, ohne die die Menschheit ihren Stoffwechsel mit der Natur nicht realisieren kann, werden sinnlos vergeudet, Produktivkräfte in immer gewaltigerem Umfang in Destruktivkräfte umgewandelt, ganze Kontinente mit Krieg und Massenvernichtung von Menschen überzogen, alles gesellschaftliche Leben nur noch dem einzigen Zweck der mächtigsten Monopole – Maximalprofit – untergeordnet. Damit nimmt auch die eingangs von Marx und Engels zitierte Alternative völlig neue Dimensionen an:
· die revolutionäre Umgestaltung der ganzen Gesellschaft……oder
· der gemeinsame Untergang der gesamten Menschheit
Wir fassen das heute in die bekannte Formel:
· SOZIALISMUS ODER BARBAREI
Die historisch notwendige revolutionäre Umgestaltung der gesamten Gesellschaft kann nicht spontan erfolgen. Sie zu bewältigen bedarf einer avantgardistischen Kraft in Gestalt der kommunistischen Parteien der verschiedenen Länder: „Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, dass sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, dass sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten. Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus….Mit einem Wort, die Kommunisten unterstützen überall jede revolutionäre Bewegung gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände.“ (ebenda)
Das schließt die Verantwortung der nationalen kommunistischen Parteien in diesem globalen Klassenkampf nicht aus, sondern unbedingt ein: „Obgleich nicht dem Inhalt, ist der Form nach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie zunächst ein nationaler. Das Proletariat eines jeden Landes muss natürlich zuerst mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden.“ (ebenda)
Sind wir deutschen Kommunisten heute in der Lage, diesen sich gesetzmäßig aus der Geschichte ergebenden Klassenauftrag zu erfüllen? NEIN ! Zerstritten in mehrere kleinere Parteien und nicht mehr zählbare Grüppchen reicht bei zweifellos vielen Gemeinsamkeiten die ideologische Bandbreite von sozialdemokratisch geprägtem Reformismus und Revisionismus bis zu sektiererischem Radikalismus. Tausende Kommunisten haben – durch diese Zerrissenheit und vor allem durch die Niederlage – resigniert und den Kampf aufgegeben. Deshalb mein Ruf an alle Genossen: Schaut wieder hinein in das Manifest der Kommunistischen Partei. Ihr werdet erstaunt sein, von welcher Aktualität diese erste Programmatik der Kommunisten ist. Eignet euch das reiche gesellschaftswissenschaftliche Erbe an, was uns Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin in rund 100 Bänden hinterlassen haben und wie sie damit die Programmatik des Manifests bis in alle Details höchst praktikabel machten. Wenden wir dieses Wissen auf unsere heutigen Klassenkampfbedingungen schöpferisch an. Gelingt uns das nicht, tragen wir Kommunisten die Verantwortung für alle gesellschaftszerstörenden Folgen. In freier Anlehnung an den abschließenden Aufruf des Kommunistischen Manifests rufe ich uns allen zu:
Deutsche Kommunisten aller Richtungen und Strömungen, vereinigt euch auf jener gesellschaftswissenschaftlichen Basis, die uns das Manifest der Kommunistischen Partei gab!
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