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Aufforstung in Kuba, ein Kommentar in zwei Teilen!

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 13.7.2011 @ 15:48 In Gefunden im Netz, aus Diskussionen, International, Allgemein | 1 Kommentar

Sepp Aigner weist auf seiner [1] Seite auf einen kurzen [2] Bericht über die Erfolge von Aufforstungsmaßnahmen in Kuba hin. Nun kann anscheint nicht sein, was nicht sein darf und so wird in einem Kommentar nach dem Haar in der Suppe gesucht. Ich hatte ebenfalls einen [3] Kommentar geschrieben, die darauf folgende Antwort bewegte mich folgenden Kommentar in zwei Teilen zu veröffentlichen.   

 

Nun Gunther,

ist Arbeitsproduktivität alles und hat Faulheit damit etwas zu tun? Sicher nicht und entscheidend ist dabei auch wie sie bewertet, gewertet, gemessen wird. Das hat auch weniger mit einem Klassenstandpunkt zu tun, als vielmehr mit gesellschaftlicher Realität, mit wirtschaftlicher Entwicklung, mit technologischem Fortschritt. Wobei ein Klassenstandpunkt durchaus wünschenswert ist, er ist sogar Realität, nur nicht all zu oft bei den Ausgebeuteten, diese lassen sich all zu oft vom gegensätzlichen Standpunkt vereinnahmen.

Das hat sicher Ursachen, doch hatte ich nicht mit einem Klassenstandpunkt argumentiert, höchstens ausgehend von einem solchen.

Und um noch einmal auf Faulheit zurückzukommen, so sind die Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft fauler, als jene in einer sich entwickelnden sozialistischen, sei hier einmal als These in den Raum gestellt. Hat etwas mit der Motivation zum Handeln zu tun, letztlich braucht der Sozialismus die freie und bewusste Disziplin, das ist eine ganz andere qualitative Entwicklungsstufe, als in allen vorherigen Gesellschaftsformationen, außer der Uhrgesellschaft. Heute regiert die Disziplin des Geldes, mittel Geld werden Menschen diszipliniert, belohnt, bestraft, gelenkt, geleitet, auch gegen ihren eigenen Willen. Das ist aber eine andere Geschichte, nur sollte Mensch nicht versäumen zu fragen, warum er unter Umständen das eine macht und das andere sein läst, obwohl es seinem Interesse eher entsprechen würde.

Die Macht des Geldes wird durch die Eigentumsverhältnisse bestimmt und in dieser Gesellschaft noch durch die verschiedenen Klitsches begleitet, darunter eben auch das von Faul und Fleißig. Und überlegen wir einmal, unter welchen Gesichtspunkten werden Menschen in Faule und Fleißige geschieden? 

Auch wird die Arbeitsproduktivität gern mit hinzugezogen, was oberflächlich betrachtet auch funktionieren kann, aber eigentlich nichts mit faul oder fleißig zu tun hat. Es sind die objektiven Zwänge kapitalistischen Wirtschaftens, welche Menschen diese Attribute zuordnen. In der Regel gelten jenen als Fleißig, welche über ein Einkommen verfügen, also es geschafft haben ihre Arbeitskraft zu verkaufen, sie waren erfolgreich am Arbeitsmarkt. Desto besser, desto Fleißiger und am Fleißigsten sind die, welchen es gelingt ohne eigenes dazutun Reich zu sein.

Das Attribut der Faulheit wird hingegen jenen angehängt, welchen der Verkauf der Arbeitskraft nicht gelingt und welche somit auf die Unterstützung der Gesellschaft angewiesen sind und das unabhängig von ihren Fähig- und Fertigkeiten. Wer sich dann noch besonders ins Zeug legt, sich anpasst, unterordnet und am besten seine Arbeitskraft verschenkt, wird besonders gelobt, aber nur solange er gebraucht wird, seine Arbeitskraft etwas verwertbares ist. Wenn dieses nicht mehr der Fall ist, wird auch dem Träger dieser Arbeitskraft das Attribut Faul angeheftet.

Was aber gesellschaftliche Realität ist, muss auch als gesellschaftliche Realität der Ursache und Wirkung nach erkannt werden, gegenwärtig werden gerade solche Zusammenhänge noch gut verdeckt. Und ob die Menschen damit zufrieden sind, nun ja, zufrieden sind immer weniger, Alternativen sind hingegen kaum am Horizont sichtbar, aber es wird immer intensiver nach diesen gesucht. Blind auch jene, welche wachsende Unzufriedenheit nicht erkennen, diese wird übrigens von den verschiedensten Seiten attestiert, die Ursachen hingegen verschieden benannt und interpretiert. Aber selbst von der Erkenntnis zur Lösung ist es oft ein weiter Weg. Dabei sind die Menschen auf der Suche nach solchen Wegen, die meisten innerhalb des kapitalistischen Systems und einige auch außerhalb dieses Systems, manche zurück- und manche nach vorn gewand. Dass in diesem Zusammenhang in die verschiedensten Richtungen gedacht wird, verwundert nicht, es entspricht dem Bewusstseins- und Erkenntnisstand der alternativ Denkenden.

Nun gehöre ich einer Klasse an und habe einen Klassenstandpunkt, welchen ich zumindest versuche mittels des dialektischen und historischen Materialismus zu vertreten. 

Da ein Klassenstandpunkt im System des Kapitals aber nicht gewollt ist, fördert er doch eine Bewusstseinsentwicklung welche taugt bestehende Gefüge ins wanken zu bringen, wird er zum Argument gegen sich selbst erhoben, wie andere Begrifflichkeiten auch. Er wird als Keule geschwungen, - Klassenstandpunkt, nun ja, verpönt, gibt ja keine Klassen mehr, stammt aus der Vergangenheit und hat sich in der Gegenwart überholt, wir sitzen alle im selben Boot usw. usf. - Und wenn wir schon mal dabei sind, dann darf natürlich Stalin auch nicht fehlen, ein weiteres Argument welches Ablehnung zeugen soll, am besten Widerstand gegen die eigenen objektiven Interessen, im Interesse des Kapitals. Aber dem nicht genug, sind Menschen für solche Äußerungen „in der DDR als Abweichler in den Knast“ gekommen -. Nun ist der Sozialismus auf deutschen Boden Geschichte, aus dem Knast ist er aber nicht hinweggefegt worden. Allein aus diesem Grund taugt dieses Bild schon nicht, wird aber nichts desto trotz immer noch gebraucht, was sollte auch sonst gegen die DDR in Stellung gebracht werden, ihr Bildungssystem, ein verfassungsmäßig verbrieftes Recht auf Arbeit, ein kostenfreies Gesundheitssystem, gesetzliche Mindestrenten und noch einiges mehr. - Nein, in der DDR ging es in den Knast wenn die Meinung nicht konform war, ein Staat voller Gefängnisse, nein, der ganze Staat war ein Gefängnis und die Menschen wollten nur Freigang! - Nun haben sie diesen und können aus den verschiedensten Gründen doch nicht gehen, maximal der Arbeit hinterher. Nun ja, zugegebener Maßen ist die DDR nicht ohne Grund Geschichte und es ist Wert die Ursachen zu ergründen, auch war es nicht immer unbedingt förderlich, wenn Meinung nicht übereinstimmte, die persönliche Existenz war trotzdem gesichert. Aber was soll es, heute leben wir im Reich der Freiheit, demokratisch organisiert und verfügen über der Weißheit letzten Schluss.

Da dem so ist werden Kriege geführt, immerhin müssen Andersgläubige und -lebende mit westlichen Errungenschaften beglückt werden. Egal ob sie anderer Meinung sind, historisch gesellschaftlich andere Wege gegangen, oder nicht! Apropos Meinungsfreiheit, im Grundgesetz ist sie zwar verankert, in der Realität aber alles andere als Verwirklicht. Eine Meinung kann nämlich nur frei sein, wenn sie sich der Konsequenzen bewusst geäußert werden kann, das ist nun wirklich nicht der Fall. Dabei können Menschen sich der Konsequenzen nicht bewusst sein, oder verzichten auf ihre eigene Meinung, im Bewusstsein das Konsequenzen für sie nicht tragbar sind. In diesem Zusammenhang werden wir sicher auch verschiedene Vorstellungen von [4] Freiheit haben.

Aber weiter im Text, letztlich sind es natürlich nicht nur die äußeren Bedingungen, nur sind diese in ihrer Rolle nicht zu unterschätzen (gerade in einer Welt, welche den Kampfbegriff der Globalisierung von den verschiedensten Seiten ausgiebig nutzt,) und es wird wohl kaum zu bestreiten sein, dass wirtschaftliche Entwicklung unter Boykot- und Blockadebedingungen nicht gerade optimal verlaufen kann. Und wenn [5] Kuba nun schon „seit Jahrzehnten kurz vor dem Kollaps“ steht, so ist nicht nur die Frage zu stellen, warum das so ist, sondern auch warum das Land noch nicht kollabiert ist, was es ja nach westlichen Vorstellungen schon lange geschafft haben müsste? Liegen die Einschätzungen doch etwas daneben, werden gar falsche, dem gesellschaftlichem System nicht entsprechende Maßstäbe angesetzt? Wird mit einem Maß gemessen, welche dem Gegenstand der Betrachtung nicht gerecht wird, solle sich da etwa etwas entwickeln, welches mit den Maßstäben einer bürgerlichen Gesellschaft nicht zu messen ist? Wird sich gar etwas vorgemacht, ohne das historische Umfeld zu berücksichtigen, die Ausgangslage Kubas nach der Revolution, welche ja nicht aus Spaß an der Freud geführt wurde, sondern um die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern! Und womit werden die Verhältnisse in Kuba vergleichen, mit den Lebensverhältnissen hierzulande, oder mit den in anderen lateinamerikanischen Ländern, z. B. mit dem Nachtbarland Haiti? Geht es den Menschen in Haiti ohne erfolgreiche Revolution besser, als den Menschen in Kuba? Als im Januar 2010 ein Erdbeben Haiti erschütterte, waren Kubanische Ärzte schon vor Ort und weiter [6] Hilfe wurde dem Nachtbarland gewährt, ohne es vereinnahmen zu wollen, wie es zum Beispiel die [7] USA praktizierten, nicht nur in dem sie Militär aufmarschieren ließ.

Nun kann ich nicht sagen wie die Entwicklung in Kuba weiter geht, fest steht aber, dass Kuba in den letzten Jahren eine schwere Entwicklung durchgemacht hat, nach dem die Unterstützung der sozialistischen Länder weggefallen ist und somit auch eine Möglichkeit internationaler Arbeitsteilung verschwand. Diese Situation verschärfte sich nicht unerheblich nach dem Sanktionen verschärft wurden und dem Land so mancher Zugang zum Weltmarkt verschlossen wurde, welcher für wirtschaftliche Entwicklung heute notwendig ist.

Um nun auf die Ergebnisse der Aufforstung zurückzukommen, wie im ersten Kommentar schon geschrieben, der geringe Waldbestand war ein Folge vorrevolutionären Wirtschaftens, also kapitalistischen, eine Folge sozialistischen Wirtschaftens ist die Aufforstung. Das bis jetzt erreichte gilt es sicher auszubauen, nur die vollbrachte Leistung in einem negativen Licht erscheinen zu lassen, ist reichlich daneben und negiert die damit verbundenen Anstrengungen. Ja, ein sozialistisch orientiertes Land kann eben keine Erfolge vorweisen, dass würde dem allgemeinem Segen, wie er über die kapitalistische Gesellschaft schwebt, zumindest in Frage stellen, wenn nicht gar einen alternativen Weg weisen.

Dabei können sie sicher eine Menge hören und auch lesen und wenn es in Berlin ein großes Interesse an Marx gibt, so wird dieses nicht umsonst so sein, nur ist Interesse gerade einmal der erste Schritt sich gesellschaftlichen Problemen aus einer anderen Richtung zu nähern. Lobenswert, aber Hoffen allein genügt nicht, denn erst wen die Hoffnung tot ist, dann beginnt das Leben! 


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l-aus-kuba-78942264.html

[2] Bericht: http://www.granma.cu/aleman/kuba/8jul-bosque.html
[3] Kommentar: http://kritische-massen.over-blog.de/article-nachhaltige-entwicklung-ein-beispie
l-aus-kuba-78942264-comments.html#comment85647256

[4] Freiheit: http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2010/10/27/freiheit/
[5] Kuba: http://www.menschenrechte-auf-kuba.de/
[6] Hilfe: http://kucaf.de/2010/01/17/haiti-eine-katastrophe-und-verschieden-motivierte-hil
fe/

[7] USA: http://kucaf.de/2010/02/05/haiti-hilfe-oder-okkupation/

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