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Ein weiterer, zweigeteilter Kommentar und …
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 19.7.2011 @ 14:11 In Gefunden im Netz, aus Diskussionen, International, Allgemein | 1 Kommentar
Ein weiterer, zweigeteilter Kommentar und eigentlich geht es längst nicht mehr um [1] Aufforstung in Kuba. Ist es überhaupt darum gegangen, oder doch eher um die Wertung gesellschaftlichen Sein.
Meine Antwort, wieder in zwei Teilen:
Teil I.
Hallo Gunther,
nun soll sich nicht bemüht werden, warum nicht und wieso keine Vergleiche mit dem Westen? Und das Viele, auf welches nicht eingegangen wird, weil es den Rahmen sprengen würde, wäre vielleicht sogar ganz interessant. Wobei … welchen Rahmen? Im Regelfall kommt das Argument des Rahmensprengens immer dann, wenn es an Argumenten fehlt, also ein Rahmen nicht einmal gefüllt werden könnte. Nun möchte ich nicht unterstellen dass dem so ist, einen Rahmen hingegen gibt es nicht, wenn er nicht im Voraus gezeichnet wurde. Oder Sepp?
Und es gelingt mir sogar mal einen „wunderbaren Satz“ zu formulieren (danke für die Blumen), wobei in der Gesellschaft immer die Menschen das Problem sind, ein anders Problem hat eine Gesellschaft kaum, wenn es denn ein Problem ist. Die Motivationen zum Handeln hingegen können durchaus sehr unterschiedlich sein, wobei es immer eine gesellschaftlich dominierende gibt.
Frei und bewusste Disziplin setzt nicht nur einen entsprechenden Entwicklungsstand des Bewusstseins voraus, sondern erfordert auch entsprechende gesellschaftliche Verhältnisse, welche begünstigend auf die allseitige Entwicklung der Menschen wirkt. Die Voraussetzungen dafür sind zwar in der kapitalistischen Gesellschaftsformation heute schon gegeben, allein ihre Umsetzung scheitert an den dominierenden gesellschaftlichen Verhältnissen selbst. Somit ist weniger der Mensch das Problem, sondern die Verhältnisse in welchen er lebt!
Was „freies und diszipliniertes Handeln“ anbelangt, so sind dafür also Voraussetzungen zu erfüllen. Andererseits sollte das gegenwärtige Element zur Disziplinierung nicht unterschlagen werden und dieses ist in der kapitalistischen Gesellschaft eben Geld! Wenn dieses Instrument an Wirkung nachlässt, da immer weniger Menschen Zugang zum Geld haben, wird auch zu anderen Mitteln gegriffen, in jedem Fall wird mir den Ängsten der Menschen gearbeitet. Nicht nur in diesem Zusammenhang ist Bildung eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Veränderungen, Bildung also, welche bewusst einem Grossteil der Bevölkerung vorenthalten wird. Somit kann auch nicht erwartet werden, dass Menschen freie und bewusste Disziplin an den Tag legen, wenn sie in einer Welt der Disziplinierung leben, in diese hineingeboren wurden, ihr entstammen. Es ist da Neue aber auch Notwendige was schwer zu machen ist!
Nun ist gesellschaftliches Sein den verschiedensten Einflüssen geschuldet, verschiedene Interessen spielen eine Rolle und es wirken die verschiedensten Widersprüche. Wie sich die Machtverhältnisse in einer Gesellschaft auch immer darstellen, so werden die an der Macht beteiligten bemüht sein ihre Macht zu erhalten und ihren Gegenspieler zu beherrschen. In diesem Zusammenhang kam es in der Vergangenheit durchaus vor, dass bei gleich starken Gegenspielern die Macht geteilt wurde. Dieses ist zum Beispiel der Ursprung der Gewalltenteilung, welche heute gern hochgehalten und als bürgerliche Errungenschaft gepriesen wird, aber praktisch ohne Wirkung ist. Dabei entsprach sie ursprünglich einer gesellschaftlichen Notwendigkeit, mit welcher keine beteiligte Seite so recht zu frieden war. Später wurde ein Element der Herrschaft daraus, was vordergründig der Verschleierung der eigentlichen Machtverhältnisse diente. Ein Beispiel für Gewalltenteilung findet sich nach der bürgerlichen Revolution in England, das Bürgertum ging zwar siegreich aus den Auseinandersetzungen hervor, konnte sich aber nicht endgültig gegen den Adel durchsetzen und so wurde die Macht geteilt. In der französischen Revolution sah es schon anders aus, dort errang das Bürgertum die Macht und konnte den Adel gänzlich in seiner Bedeutung zurückdrängen. In Deutschland hat es nie eine erfolgreiche bürgerliche Revolution gegeben, das Kapital hat die Macht nach und nach übernommen, in dem es sich mit dem Adel leierte.
Wo es aber Macht gibt, wo es Gewallt gibt, selbst wenn diese geteilt wird, hat sie doch einen Adressaten. Die Gewalltenteilung sorgt in einer Pattsituation für einen Interessenausgleich unter den Gewallt teilenden, aber nicht zwischen diesen und der ausgebeuteten Masse.
Dabei muss auch in der „Frühphase des Sozialismus“ sicher kein „gewisser Zwang hergestellt werden“, da „sonst … die Gesellschaft“ verrottet, sondern um die Machtverhältnisse zu gestallten.
Wie im gegenständlichen Kommentar wird gern ein klischeehaftes Bild vom Sozialismus gezeigt, wirkliche wirtschaftliche Entwicklung spielt keine Rolle, dass die DDR zehntgrößte Industrienation war wird ignoriert und die Verhältnisse in der DDR mit westlichen Maßstäben gemessen.
Die Menschen im Osten konnten schon arbeiten und das gut und qualifiziert, aber es sollte auch keiner annehmen, dass das verfassungsmäßig verankerte Recht auf Arbeit zum Nulltarif zu haben gewesen wäre. Da die DDR als Industrienation im internationalen Wirtschaftsgefüge eingebunden war, hatten auch die Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Wirtschaftens Einfluss auf die wirtschaftlichen Entwicklungen, daraus ergaben sich durchaus Widersprüche für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Das aber nicht allein, denn es sei auch an Embargos erinnert, welche es zumindest erschwerten moderne Technologien im Rahmen internationaler Arbeitsteilung zu erwerben. Auch wurde über Jahre hinweg zu wenig in die produktive Akkumulation investiert und mehr in die nichtproduktive Akkumulation, dass wurde zwar erkannt, letztlich aber zu spät!
Teil II.
Natürlich spielt in solchen Betrachtungen auch die Arbeitsproduktivität eine Rolle und da diese niedriger war als in der BRD lässt sich mit vulgärem ökonomischem Verständnis darauf schließen, dass die Menschen fauler waren als in der BRD. Die Ursachen für niedrigere Arbeitsproduktivität spielen in solchen Betrachtungen in der Regel genauso wenig eine Rolle, wie die Ermittlung derselben. So gab es in der DDR viele Betriebe welche unter kapitalistischen Bedingungen geschlossen wären, nur um dem verfassungsrechtlichen Anspruch auf Arbeit gewährleisten zu können. Diese Betriebe waren in der Regel technologisch überaltert, was aber sicher nicht auf Faulheit der Beschäftigten schließen lässt, sondern ganz im Gegenteil! Grundsätzlich war die Politik in der DDR am allgemeinem Wohl der Menschen orientiert, in der BRD hingegen den Kapitalinteressen geschuldet. Letztlich wurde der gemeinsam erwirtschaftete Reichtum anders verteilt, er kam allen Menschen zugute. Und wenn schon die Frage gestellt wird, „soll das die Alternative sein? Immer nur zu hoffen, zu appellieren?“ so kann ich nur sagen, in der DDR waren die Lebensgrundlagen der Menschen, und das bei allen Mängeln die das System durchaus hatte, gesichert. In neudeutschen Zeiten, nach der Wende, da brach die Zeit des Hoffens und Appellierens an! Das System des Kapitals lebt sogar von der Hoffnung und Appellen, wobei am besten von enttäuschten Hoffnungen und ungehörten Appellen! Und genau betrachtet, sind die Menschen im kapitalistischen System wirklich fleißiger, weil sie modernere Technologien nutzen, und damit über eine höhere Arbeitsproduktivität verfügen, aber Millionen auf der Straße sitzen, hoffend und flehend nach Arbeit ringen, welche ein Leben über die bloße Existenz hinaus ermöglicht?
Und wenn schon das Attribut historisch verwandt wird, dann doch Bitte unter Berücksichtigung konkret historischer Gesichtspunkte. Dabei spielen die gesellschaftlichen Verhältnisse, zuvorderst die Produktionsverhältnisse eine entscheidende Rolle und zwar die vorgefundenen. Wie stellte sich die Situation in der SU, in China, Nordkorea und Vietnam nach der Revolution, aber auch vor dieser da? In der Regel befanden sich diese Staaten auf feudalem Entwicklungsstand, kapitalistische Verhältnisse waren unter Umständen im Keim vorhanden, aber auch das koloniale Erbe mit seinen Folgen war erdrückend. Auch das hat nichts mit Faul und Fleißig zu tun, sondern mit dem Vermögen sich technologischen Erfordernissen anzupassen.
Und machen wir uns nichts vor, über Jahrtausende hat die Natur das Leben der Menschen bestimmt, die Arbeit folgte dem Wetter, der Tag gab den Rhythmus an. Mit der Entwicklung des Kapitalismus ändert sich dieses für die Masse der Bevölkerung und die Technologie im Produktionsprozess begann den Tagesablauf des Menschen zu bestimmen. Der Mensch wird des gewohnten entwöhnt und muss für technologische Abläufe diszipliniert werden. Das war im Mutterland des Kapitals nicht anderes, wobei dieser Prozess nicht von heut auf morgen verläuft und durchaus ein bis zwei Generationen ins Land gehen können. Nebenbei sei hier auch an die englischen Arbeitshäuser erinnert, wo selbst Kinder an den Webstühlen 8 -18 Stunden schuften mussten. Der relativ schnelle Aufholprozess der deutschen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts ist übrigens auch dem Umstand geschuldet, dass die deutschen Männer durch den Militärdienst schon gut diszipliniert waren. Der preußische Militarismus hatte so eine Vorarbeit für die schnelle Wirtschaftsentwicklung im Land geleistet. Ohne aber die konkrethistorischen Ursachen zu betrachten, ohne die vorgefundenen Verhältnisse zu berücksichtigen, kann leicht geurteilt und verurteilt werden. Und gerade die kapitalistische Entwicklung zeigt sehr gut, wie Menschen den technologischen Erfordernissen angepasst wurden und werden, dabei hat sich die technologische Entwicklung heute so weit vollzogen, das der Mensch in die Lage versetzt wird, die technologische Entwicklung seinen allgemeinen Bedürfnissen anzupassen. Auch wenn von „mangelnder Identifikation mit der Arbeit“ geschrieben wird, so ist es gerade ein Zeichen des Kapitals den Menschen seiner Arbeit zu entfremden. Die Arbeitskraft ist eine Ware, diese wird verkauft, diese wird gekauft, diese wird gehandelt und letztlich konsumiert. Das Produkt ist dem Menschen fremd, es befriedigt nicht seine Bedürfnisse, ganz im Gegenteil, einzig der Erlös aus dem Verkauf seiner Arbeitskraft ist ein Mittel zur Befriedigung seiner Bedürfnisse. Diese Bedürfnisbefriedigung erfolgt in der Regel auch mittels Warenaustausch, dabei sind nicht nur Produkte Waren, sondern auch Dienstleistungen bis dahin soziale Verhältnisse in ein Wahrenverhältnis zu pressen. Im Sozialismus hingegen schwindet der Wahrencharakter, nicht nur das Produkte und Dienstleistungen unentgeltlich zur Verfügung stehen oder subventioniert werden, sie werden auch unabhängig von Person, Status, Einkommen etc. gewährt. Als ein Beispiel sei hier das kostenfreie Gesundheitssystem der DDR genannt, welche sicher nicht umsonst war.
Aber um zum Thema zurück zu kommen, es ist eine Illusion anzunehmen, das sich bei einem Privaten Leistung lohnt, allein die wachsende Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse lässt eine solche Argumentation ins leere laufen. Und sicher kann nicht behauptet werden, dass es keine Privaten wären, die solch miserablen Löhne zahlen, das die Beschäftigten davon ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, sonder auf staatlich Zuschüsse angewiesen sind. Somit lassen sich die hier bezeichneten Guten und Fleißigen auf die unterordnungswilligsten und angepasstesten zurückführen. Wer seinem Herrn gut dient, wird gelobt, wird er nicht mehr gebrauch, fällt er ohne Umwege in die Gruppe der Bösen und Faulen, die grenzen sind fließend und da die Menschen in der DDR in der Regel keinem kapitalistischen Herrn dienten, müssen sie eben Faul gewesen sein! Ja Gunther, die von ihnen verbreitet und auf Kuba angewandte Logik, Fleißig sind nur jene, welche dem Kapital dienen und wer etwas auf sich hält, stellt seinen Fleiß den Privaten zu Verfügung, alle anderen sind Verdammt und gelten weiterhin als Faul. Das nenne ich Klassenstandpunkt, zwar keinen proletarischen, aber immerhin ein praktizierter.
Und noch eins, ich kann nicht sagen ob in Kuba Spaten hergestellt werde oder nicht, aber auch eine jede Bürokratie, wenn es denn eine ist, kann nur mit den Mitteln agieren, welche ihr zur Verfügung stehen. Dabei kann der Staat noch soviel investieren, noch so hervorragende produktive Leistungen zeugen, wenn diese Güter sich nicht als Waren am Warenmarkt verwirklichen können, da sie unter ein Embargo fallen, sind sie wertlos. Embargos sind keine Einbandstraße, in der Regel wird dem betroffenen Land der Zugang zu modernen Technologien, bestimmten Waren etc. verwert, aber auch der Warenhandel in die andere Richtung unterbunden. Töricht ist es auch eine Volkswirtschaft losgelöst zu betrachten, den Stand der internationalen Arbeitsteilung zu vernachlässigen und den sich fortsetzenden Konzentrations- und Zentralisationsprozess der Wirtschaft zu negieren.
Auch kann ich nicht sagen mit welchen Ländern sich Kubaner vergleichen, wobei durchaus davon auszugehen ist, dass im Allgemeinem realistische Bezüge gewählt werden, welche in erster Linie in Lateinamerika zu finden sind. Den einen oder anderen Vergleich mit Europa möge es aber auch geben, nur was soll damit bezweckt werden, das es ohne Revolution den Menschen dort so gehen würde, wie den Menschen in Europa? Einmal davon abgesehen ob das wirklich so gut wäre, könnten für Kuba ohne Revolution eher Verhältnisse wie in Haiti möglich sein. In meinen vorigen Kommentar hatte ich auf einige diesbezügliche Unterschiede aufmerksam gemacht.
Letztlich ist ein Kommentar ein Kommentar, was auch sonst, nur werden mit Kommentaren Ziele verfolg, er hat einen Zweck, welcher nicht immer gleich offen zu Tage tritt. So hat auch mein Kommentar sicher einen Zweck, selbst wenn dieser darin bestehen sollte, die Einseitigkeit eines anderen Kommentars aufzuzeigen. Aber so hat jeder seinen Standpunkt, Klassenstandpunkt vielleicht, welcher sich gegebenenfalls aus dem Kommentar ersehen lässt. Und sicher muss ein Kommentar nicht den Inhalt des Artikels wiedergeben, aber ein Kommentar ist auch mit Wertungen verbunden, gerade auch bei Ihnen Gunther!
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