Archive für 6.8.2011

“Mauerbau und Mauerfall”

In der Mailingliste der Feidenker findet sich dieses Wochenende das Wort zum Sonntag zum Thema „Mauerbau und Mauerfall“. Ein Thema welches alljährlich wiederkehrt und gerade von den bürgerlichen Medien übergebühr strapaziert wird. Da sich nun am 13.08. die Errichtung des Antifaschistischen Schutzwals, der Mauer zum 50-mal Jährt, wird diesem Thema entsprechende Beachtung zukommen. In diesem Zusammenhang werden historische Zusammenhänge gern negiert und das damalige historische Umfeld findet nur selten Berücksichtigung. Wird dieses mit in die Betrachtung einbezogen, so kann erkannt werden, dass es durchaus historischen Notwendigkeit war, die Staatsgrenze der DDR entsprechend zu schützen. Etwas anderes ist der lange Bestand dieses Bauwerks  und die damit verbundenen Folgen. Differenzierter als in den „Meinungsbildungsmedien“ wird im folgendem Text mit dem Thema umgegangen. 


Mauerbau und Mauerfall

 

»„Sie sehen also, meine Damen und Herren, daß die Mauer, wie ich Ihnen zu Anfang bereits darlegte, aus der Not geboren war und nicht aus irgendwelcher bösartigen Willkür; sie diente dazu, den real existierenden Sozialismus in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik vor dem Zusammenbruch zu bewahren, einem Zusammenbruch, der hier, an der Nahtstelle zwischen den beiden Machtblöcken jener von Atomraketen geprägten Zeit, mit großer Wahrscheinlichkeit zu kriegerischen Verwicklungen geführt hätte.

   Zugleich aber ermöglichte sie es einer Minderzahl von gescheiten, tapferen, geduldigen Leuten, den Versuch zu unternehmen, aus dem real existierenden einen erträglichen, den Menschen zum Nutzen gereichenden Sozialismus zu machen, einen Sozialismus etwa, wie ihn die beiden Urväter und ein jüdischer Kaufmannssohn mit Namen Lassalle und die nie genug gewürdigte Genossin Luxemburg erträumt hatten. Daß just das lange Zeit nicht gesehen wurde, ist nicht die Schuld dieser durchaus von gutem Willen geleiteten Leute, ebenso wenig wie man gerade sie verantwortlich machen kann für die bedauernswerte Tatsache, daß von 1961 bis zur endlichen Abschaffung des Bauwerks, dessen Reststück Sie vor sich sehen, meine Damen und Herren, das Gesamtbild des Sozialismus durch die Mauer entstellt war und daß hinter der Mauer Millionen von Menschen in Frustration lebten, weil ihnen die Aussicht und der Ausflug »nach drüben«, wie man es damals nannte, versperrt war.« [1]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist schwer, über die Mauer zu schreiben, ohne der Wahrheit auf die Füße treten zu müssen bzw. treten zu wollen. Ich gehe davon aus, das  durch die  konsequente  Verwirklichung der Beschlüsse  der Potsdamer Konferenz  die Teilung Deutschlands hätte verhindert werden können.  Alle  Politiker, Militärs u.a. , die an der  Spaltung  Deutschlands  beteiligt waren, tragen deshalb eine  nicht unerhebliche Mitschuld an dem Bau der Mauer.  Die Einführung  einer separaten Währung  in den drei  Westzonen, einschließlich Westberlins war   ein wesentlicher Schritt  hin zur Teilung Deutschlands.   

    »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.« Das ist der meist zitierte Satz in diesen Tagen. Über die politischen Zwänge schweigt man. (»Westberlin - die billigste Atombombe«, »Westberlin - der Pfahl im Fleisch der DDR« waren einige Parolen.) Die Mauer hätte nicht sein müssen, wenn 1952 die Vorschläge der Sowjetunion zu Wahlen in ganz Deutschland und Friedensvertrag von allen Alliierten gemeinsam realisiert worden wären. Aber Bundeskanzler Adenauer war froh, als die Westmächte den Vorschlag negativ beantworteten. Dadurch war der Weg frei für sein Ziel »deutsche Wiederbewaffnung«. Einzige Bedingung der Sowjetunion war »deutsche Neutralität«.

     In den Berichterstattungen im Zusammenhang mit dem 13. August wird vielerorts noch heute von einer »innerdeutschen Grenze« gesprochen, die es niemals gab. Wann wird sich endlich die Erkenntnis durchsetzen, dass seit 1949 zwei voneinander unabhängige deutsche Staaten bestanden und die DDR völkerrechtlich als souveräner Staat ebenso wie die BRD anerkannt war. « [2]

    Mit dem 13. August war in den Auseinandersetzungen auf deutschem Boden eine neue Situation entstanden, die beiden deutschen Staaten Anlaß für eine Neubestimmung ihrer Politik hätte sein können. Doch war offenbar der Zeitgeist nicht dementsprechend.  Die Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung erfüllten sich nicht.

    Das Entstehen der Mauer war sehr eng mit dem Ost-West-Konflikt verbunden, d. h. es waren die verschiedensten Kräfte beteiligt. An einem der sensibelsten Punkte des kalten Kriegs war sie Bestandteil der Balance zwischen den beiden Militärpakten und reichte weit über jede deutsche Politik hinaus.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Zeit  Anfang der sechziger Jahre darf nicht einseitig gesehen werden. Ich bedauere all jene Toten, ich verleugne nicht Schandtaten. Jeder Tod bedeutete den tragischen Verlust eines oft jungen Lebens und die Trauer von Familien und Freunden. Nur ärgern mich Heuchelei und ein doppelter Moralbegriff. Hör ich nämlich vom Reiseverbot, kann ich nicht vergessen, wie die USA-Regierung uns Amerikanern nicht erlaubte, in Länder zu reisen, die als unfreundlich galten. 1947 war es u. a. Jugoslawien; ich durfte dort im Hafen nicht einen Fuß am Land setzen. Noch heute wird bei einem Besuch in Kuba mit hohen Strafen bedroht.

     »Wenn die Bundesminister Schäuble (CDU) und Friedrich (CSU) in einer Gedenkstunde die »Berliner Mauer« als »Offenbarungseid und Gewaltakt gegen die Menschen der DDR« bezeichnen und zum »gegenseitigen Respekt« auffordern, empfinde ich das als erneute Provokation! Seit 20 Jahren wäre Gelegenheit gewesen, sich der Leistungen »ihrer armen Brüder und Schwestern aus der DDR« zu erinnern und damit die Mitschuld der Alt-BRD an der Spaltung Deutschlands durch Altkanzler Adenauer (»Lieber ein halbes Deutschland ganz als ein ganzes Deutschland halb!«) anzuerkennen! Auch ist es unfair, nur einem »Familienmitglied« Schuld am Tod an Grenzen zu geben, wenn der Welt verschwiegen wird, dass an der Westgrenze zu Aachen - laut Staranwalt Bossi, München - auch 55 Personen erschossen wurden und dafür niemand die Verantwortung übernimmt! « [3]

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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