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Junge Welt, die PdL und der 13.08. - Gedanken -
Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 21.8.2011 @ 19:16 In Historisches, aus Diskussionen, Allgemein | 1 Kommentar
Junge Welt, die PdL und der 13.08. - Gedanken
Nun beschäftig die Diskussion um die Titelseite der Jungen Welt vom 13.08. so manchen Geist. Besonders intensiv wird sich erregt über die Untat, wie kann es sein, dass es eine Zeitung gibt, welche sich für die Sicherung der Staatsgrenze im Jahre 1961 bedankt? Welch Frevel wurde begangen, wo doch die Staatsgrenze der DDR eigentlich als ein Bollwerk sozialistischer Unfreiheit gesehen werden soll und mit Krokodilstränen die Toten beweint werden, aber nur die, welche dieses Bollwerk, die Grenze eines Staates verletzen wollten, nicht aber jene, welche diese verteidigten.
Nun kommt die heftigste Kritik aus den Reihen der Partei die Linke, bisherige Zusammenarbeit mit der Jungen Welt soll beendet werden, als ob die Junge Welt ihre Existenz den Anzeigeneinahmen zu verdanken hätte, welche durch diese Partei veranlasst wurden. Dabei wird törichter Weise vergessen, dass ja diese Anzeigen nicht aus Spaß an der Freude und um die Junge Welt zu erhalten geschalten wurden, sondern um Werbung für die eigene Partei, für die eigene Politik, für die eigenen Politiker, unter den Lesern der Zeitung zu machen. Das dann noch so manche/r Politiker/in dieser Partei mit Artikeln in der Zeitung präsent war, ist dann doch wohl den Nutzen zuzuschreiben, welcher für den Politiker und die Partei zu sehen war. Zumindest war es eine Beziehung zum gegenseitigen Vorteil. In diesem Zusammenhang wurde auch nie vergessen auf die Vielschichtigkeit dieser Partei zu verweisen und die verschiedensten Gruppierungen welche sich unter ihrem Dach sammeln. Sicher gut um den vereinnahmenden Namen „Die Linke“ und den damit verbundenen Alleinvertretungsanspruch zu rechtfertigen. Nun soll das alles nur Makulatur gewesen sein, was sich auch in der gegenwärtigen Vorgehensweise, welche selbst dem eigenen Verständnis von Meinungsfreiheit, Pluralismus und anderen ehernen Werten und Ansprüchen zuwider läuft.
Letztlich ist der Jungen Welt viel mehr gelungen als nur Protest zu wecken, sie hat in einigen Fällen für Klarheit gesorgt und so mancher Politiker offenbart wessen Geistes Kind er ist und wie er es mit ansonsten gepriesenen Freiheiten hält. Freiheiten welche es angeblich in der DDR nicht gab und die es umso mehr gilt hochzuhalten, mit den Reaktionen sich aber als die Makulatur erweisen, welche sie in diesem System sind. Das in diesem Zusammenhang der DDR im Nachhinein, ein souveräner Staat bis 1990, das Recht abgesprochen wird ihre Grenzen zu schützen, spiel keine Rolle, genauso wenig wie die vielen Toten welche es bis heute z. B. an den Außengrenzen der EU, der USA zu Mexiko, oder auch an der Mauer, welche Israel auf dem Gebiet Palästinas errichtet hat. Aber nicht nur dass, auch spielen die konkrethistorischen Bedingungen, welche zur intensiveren Sicherung der Staatsgrenze der DDR führten, keine Rolle. Ganz im Gegenteil, es werden Argumente aus der Zeit des kalten Krieges hervorgekramt und der Alleinvertretungsanspruch der BRD gerechtfertigt, ohne die Ursachen und die Akteure der deutschen Teilung zu berücksichtigen. Vergessen wurde auch, dass die DDR bis Ende der 1960iger Jahre einen einheitlichen deutschen Staat nicht von ihrer Agenda gestrichen hatte.
Sicher kann über die Sicherungsmaßnahmen an der Staatsgrenze gestritten werden, auch kann gestritten werden, ob das Grenzregime bis zum Ende der DDR in dieser Form gerechtfertigt war, aber nicht gestritten werden kann über das Recht eines Staates seine Grenzen zu sichern und sie zu schützen. Der Ausbau der Grenzsicherungsanlagen gerade zur „Frontstadt“ Berlin, der „billigsten Atombombe im Herzen Europas“, des „Dornes im Fleische der DDR“ war 1961 notwendig geworden, nicht um die eigene Bevölkerung einzusperren, sondern um den Frieden in Europa zu sichern. Gedacht sei in diesem Zusammenhang auch daran, dass sich zu diesem Zeitpunkt ca. 12.000 Berufsagenten von ca. 80 Geheimdiensten in Westberlin befanden, welche jederzeit ungehindert in die DDR einreisen konnten. Der Westen Belins war damals schlechthin die Welthauptstadt der Spionage. Und selbst Kennedy fand die Mauer zwar nicht schön, aber immer noch besser als Krieg! Das alles soll vergessen werden, einzig und allein zählen die Opfer an der Grenze der DDR, es zählen nicht die Opfer, welche durch die Grenzeschließung 1961 vermieden wurden. Und dass sie vermieden wurden, zeigt gerade die Gegenwart, es werden Kriege an den verschiedensten Schauplätzen dieser Welt geführt, auch wieder mit deutscher Beteiligung. Die Rechte der Menschen in der DDR, welche mit Sicherung der Staatsgrenze gewahrt und weiter entwickelt werden konnten, wurden nach Öffnung dieser Grenze und der Restaurierung kapitalistischer Machtverhältnisse mit Füßen getreten und den Menschen genommen. Warum die meisten Menschen sozialistische Errungenschaften gegen eine Handvoll Glasperlen tauschten, bleibt zu hinterfragen, hat aber andere Ursachen als die Grenzsicherung 1961. Nein, selbst die Gegenwart zeigt wie wichtig es war die Grenze zu sichern, um die Menschen in der DDR, um ihre Interessen zu schützen. Dabei kann durchaus über das Festhalten an bestimmten Sicherungsmaßnahmen gestritten werden. Die Bedingungen hatten sich im Laufe der Jahre verändert, die Maßnahmen nicht. Damit sind nicht die Sicherungsanlagen an der Grenze gemeint, sondern der Umgang mit den eigenen Bürgern. Die Grenze wurde zwar im Laufe der Jahre durchlässiger, hauptsächlich aber nur in eine Richtung. Menschen wurden in der DDR andererseitz zur Freiheit befähigt, das Bildungssystem war hervorragend und brachte allgemein- und hochgebildete Menschen hervor, welche in der Regel gut qualifiziert waren, aber all zu schnelle an Grenzen stießen. Das war nicht unbedingt die Staatsgrenze, auch wenn es durchaus ein berechtigtes Bedürfnis gab in die Welt hinauszugehen, Erfahrungen und Erkenntnisse zu sammeln, es waren Grenzen welche die verschiedensten Ursachen hatten und letztlich dazu führten dass das System des Sozialismus in der DDR scheiterte. So wichtig es auch ist, gerade diese Grenzen zu ergründen, sowenig spielen sie in den heutigen Auseinandersetzungen eine Rolle. Dabei können durchaus interessante Erkenntnisse gewonnen werden, dem Kapital aber wenig nützlich. Eine Rolle spielt nur, was sich gegen die DDR, gegen den Sozialismus in der DDR instrumentalisieren lässt. Und auch in diesem Spiel hat die PdL ihre Aufgabe zugewiesen bekommen und übernommen. Das ist der Preis für eine gleichberechtigte Teilnahme am politischen Spiel, welches den Menschen gern als Demokratie verkauft wird. Der Jungen Welt hingegen soll das Recht im meinungsfreiheitlichen Zirkus der Medien mitzuspielen abgesprochen werden, nur weil sie im gemeinsamen Chor nicht mitsingen möchte, sondern mit misstönen aufwartet, gar eine andere Melodie zu einem anderen Text singt. Und da bis jetzt alle Versuche gescheitert sind, muss nun die PdL ran, ein Aufhänger hätte sich über kurz oder lang gefunden, nun ist er da und die Treibjagd beginnt. Die PdL hat wiederholt die Möglichkeit ihre Treue zum System des Kapitals zu beweisen.
An den verschiedensten Stellen wurde auf das Thema eingegangen und an einigen Stellen hatte ich einen Kommentar hinterlassen. Auf die [1] Titelseite der Jungen Welt vom 13.08. bin ich übrigens durch ein bürgerliches Medium aufmerksam gemacht worden, welches sich darüber echauffierte. Selbst habe ich sie mir erst im Nachhinein angeschaut, da ich in letzter Zeit die Zeitung weniger gelesen habe. In diesem Sinnen handelt es sich nicht nur um eine Positionierung, welche Polarisierung nach sich zieht, sondern auch um gute Eigenwerbung!
Folgende Gedanken hatte ich an anderen Stellen hinterlassen:
[2] 1.) Nun klärt so manches Gewitter die Luft, wobei in diesem Zusammenhang deutlich wird, welche Kräfte von außen Einfluss auf die Partei die Linke haben und welchen all zu Willfähig nachgegeben wird.
Wessen Brot ich …
[3] 2.) Sicher wird die Junge Welt keine neuen Mauern errichten wollen, ganz im Gegenteil, ihr ist mit der Titelseite gelungen, bestehende aber auch neu entstandene Mauern sichtbar zumachen. Sie hat es geschafft zu polarisieren und Illusionen über die deutsche Linke zu zerstören. Aber was ist schon links, wenn nicht ein Kampfbegriff welcher nach gut dünken verwendet wird, einmal als Blitz geschleudert, ein andermal vereinnahmend geträllert!
[4] 3.) Wie frei ist Demokratie, wie frei ist die freie Meinungsäußerung in dieser Gesellschaft und vor allen wie wird mit dieser Umgegangen. Dem Gesetze nach gibt es keine Zensur, eine solche wird gegenwärtig auch nicht benötigt, solange die Schere in den Köpfen der Menschen funktioniert. Und sie funktioniert, dann noch das hohe Lied vom Pluralismus und es ist geschafft, Einfalt ersetzt Wissenschaftlichkeit und klärende Worte werden gesprochen, allgemeiner Geschichtsverklärung dienend.
So werden noch Sanktionen gegen diese Zeitung gefordert, Sanktionen die letztendlich nicht nur nach hinten losgehen, sondern zeigen wohin die Partei Die Linke steuert. Bis jetzt habe ich diese Partei gewählt, jedenfalls bei Land- und Bundestagswahlen, zwar zugegebener Maßen als das vermeidlich kleinere Übel, nun scheint sich das Übel in dieser Partei auszuwachsen, leider (Übel auswachsen = grundlegende gesellschaftliche Veränderungen sind dieser Partei nicht mehr zuzutrauen, der bis jetzt noch glimmende Span erlöscht). Das in diesem Zusammenhang die Beziehung der PDL zur JW sicher keine Einbahnstraße ist/war liegt eigentlich auf der Hand, konnte sie doch weitestgehend ihre Standpunkte dort vertreten, wie es in den meisten anderen Medien nicht möglich war, ist und sein wird. Wenn nun die Gesichter von Politikern der PDL von der Internetseite der Jungen Welt verschwinden, ist dieses eher zu begrüßen, als zu bedauern, wenn daran gedacht wird, für welche Politik die meisten von ihnen stehen! Gut das es in dieser Partei durchaus noch Andersdenkende Kräfte gibt, allein ihre Wirkung scheint gering!
P. S. Letztlich sollte nicht vergessen werden, die Freiheit der Meinung beinhaltet die Freiheit der Lüge und somit die Freiheit Wahrheit hinweg zu lügen!
[5] 4.) Hallo Sepp,
so ist es mit den Reaktionen, aber was ist schon links? Übrigens habe ich heute einen [6] Rundbrief der Freidenker erhalten, in welchen sich ein Beitrag findet, der passend zum Thema mit „Rosa Luxemburg und die zwei Freiheiten der Andersdenkenden“ überschrieben ist. Selbst hatte ich mich des Themas ja auch angenommen, wobei ich an anderer Stelle einen entsprechenden Link gesetzt hatte. Übrigens habe ich meinen Beitrag an die Redaktion von Scharf Links geschickt, nun bin ich gespannt ob er auch erscheinen wird.
Gruß
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[1] Titelseite: http://www.jungewelt.de/2011/08-13/069.php
[2] 1.): http://redblog.twoday.net/stories/38749985/
[3] 2.): http://kritische-massen.over-blog.de/article-niemand-in-junge-welt-hat-die-absic
ht-wieder-eine-mauer-zu-errichten-81868374.html
[4] 3.): http://www.jungewelt.de/2011/08-19/027.php
[5] 4.): http://kritische-massen.over-blog.de/article-junge-welt-die-mauer-und-interessan
te-reaktionen-81740436.html
[6] Rundbrief: http://www.dfv-nord.de/images/stories/rundbrief/rb201103.pdf
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