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Archive für 16.9.2011
Von der Erscheinung zum Wesen!?
16.9.2011 von Tolo.
Von der Erscheinung zum Wesen!
Gegenstand dieses Kommentars ist der erste Kommentar von TomGard zu einem Beitrag auf der Seite Kritische Massen vom 12.September. Im Beitrag selbst wird ein Interview aus der Junge Welt, im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 11.09. vor zehn Jahren und dessen Folgen, gespiegelt. Im gegenständlichen Kommentar wird eine Theorie vertreten, in welcher davon ausgegangen wird, dass der Kapitalismus in den Hauptländern des Kapitals eigentlich nicht mehr existiert. Zwar wird auch nicht geschrieben in was für einem System wir leben, dafür versucht mittels einiger Erscheinungen dieses zu belegen.
TomGard,
das ist doch mal wieder was, heute ist eben alles anders, auch der Kapitalismus! Erscheinungsformen werden genommen, verabsolutiert und als etwas Neues hingestellt. Dabei ist Kriegskapitalismus nichts neues, seit der Kapitalismus sein höchstes Stadium erreicht, sich vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus entwickelt hat, gehört diese Erscheinungsform dazu. Kriege zur Sicherung von Rohstoffquellen und Absatzmärkten sind dem System von Beginn an eigen, die Besonderheit des Kriegskapitalismus besteht darin, die Kapitalakkumulation mittels Krieg in Gang zu halten. Die zwei Weltkriege stehen genauso dafür, wie die vielen anderen Kriege, welche vom Kapital gegen andere Völker initiiert und geführt wurden. Daraus jetzt eine neue Erscheinung abzuleiten und zu folgern, dass der Kapitalismus nicht mehr existent ist, oder sich in Abwicklung befindet, wird kapitalistischer Entwicklung nicht gerecht und verschleiert die eigentlichen Ursachen der dem Kriegskapitalismus zugrunde liegenden Widersprüche. Dabei ist der Kapitalismus durchaus am Ende, er gehört historisch abgelöst, das hindert ihn aber nicht daran weiter nach Luft zu ringen und alles zu versuchen seinen Tod hinauszuschieben. Faulender und parasitärer Kapitalismus hat Lenin diesen einmal genannt!
Das sich damit auch die Herrschaft des Privateigentums und des Patriarchats aufgehoben hat, wie behauptet, wirft nicht nur die Frage nach den jetzt bestehenden Eigentumsverhältnissen auf, sondern entspricht in keiner Weise der gesellschaftlichen Realität in den Ländern des Kapitals. So hat sich an den dominierenden Eigentumsverhältnissen in der BRD z. B. in den letzten Jahrzehnten nichts geändert, es fanden nicht nur nach Einverleibung der DDR dort regelrechte Privatisierungsorgien statt, sondern es wurde auch in der BRD selbst weiter privatisiert. So wurden Volksvermögen und gesellschaftliche Dienstleistungen privatisiert, Staatsbetriebe an private Investoren verscherbelt. Nein, der Blick in die gesellschaftliche Realität zeigt das Gegenteil, Privateigentum an den Produktionsmitteln ist aus den Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gestärkt hervorgegangen und selbst das Patriarchat treibt neue Blüten.
Geschrieben in Gefunden im Netz, aus Diskussionen, International | Drucken | 1 Kommentar »