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Von der Erscheinung zum Wesen!?

Dieser Eintrag stammt von Tolo Am 16.9.2011 @ 18:48 In Gefunden im Netz, aus Diskussionen, International | 1 Kommentar

Von der Erscheinung zum Wesen!

Gegenstand dieses Kommentars ist der [1] erste Kommentar von TomGard zu einem [2] Beitrag auf der Seite Kritische Massen vom 12.September. Im Beitrag selbst wird ein Interview aus der Junge Welt, im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 11.09. vor zehn Jahren und dessen Folgen, gespiegelt. Im gegenständlichen Kommentar wird eine Theorie vertreten, in welcher davon ausgegangen wird, dass der Kapitalismus in den Hauptländern des Kapitals eigentlich nicht mehr existiert. Zwar wird auch nicht geschrieben in was für einem System wir leben, dafür versucht mittels einiger Erscheinungen dieses zu belegen.

TomGard,

das ist doch mal wieder was, heute ist eben alles anders, auch der Kapitalismus! Erscheinungsformen werden genommen, verabsolutiert und als etwas Neues hingestellt. Dabei ist Kriegskapitalismus nichts neues, seit der Kapitalismus sein höchstes Stadium erreicht, sich vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus entwickelt hat, gehört diese Erscheinungsform dazu. Kriege zur Sicherung von Rohstoffquellen und Absatzmärkten sind dem System von Beginn an eigen, die Besonderheit des Kriegskapitalismus besteht darin, die Kapitalakkumulation mittels Krieg in Gang zu halten. Die zwei Weltkriege stehen genauso dafür, wie die vielen anderen Kriege, welche vom Kapital gegen andere Völker initiiert und geführt wurden. Daraus jetzt eine neue Erscheinung abzuleiten und zu folgern, dass der Kapitalismus nicht mehr existent ist, oder sich in Abwicklung befindet, wird kapitalistischer Entwicklung nicht gerecht und verschleiert die eigentlichen Ursachen der dem Kriegskapitalismus zugrunde liegenden Widersprüche. Dabei ist der Kapitalismus durchaus am Ende, er gehört historisch abgelöst, das hindert ihn aber nicht daran weiter nach Luft zu ringen und alles zu versuchen seinen Tod hinauszuschieben. Faulender und parasitärer Kapitalismus hat Lenin diesen einmal genannt!

Das sich damit auch die Herrschaft des Privateigentums und des Patriarchats aufgehoben hat, wie behauptet, wirft nicht nur die Frage nach den jetzt bestehenden Eigentumsverhältnissen auf, sondern entspricht in keiner Weise der gesellschaftlichen Realität in den Ländern des Kapitals. So hat sich an den dominierenden Eigentumsverhältnissen in der BRD z. B. in den letzten Jahrzehnten nichts geändert, es fanden nicht nur nach Einverleibung der DDR dort regelrechte Privatisierungsorgien statt, sondern es wurde auch in der BRD selbst weiter privatisiert. So wurden Volksvermögen und gesellschaftliche Dienstleistungen privatisiert, Staatsbetriebe an private Investoren verscherbelt. Nein, der Blick in die gesellschaftliche Realität zeigt das Gegenteil, Privateigentum an den Produktionsmitteln ist aus den Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gestärkt hervorgegangen und selbst das Patriarchat treibt neue Blüten.  

Nun TomGard, es werden mit gemachten Aussagen die eigentlichen Ursachen gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen verschleiert und somit der Gegenstand des Kampfes falsch verortet. Dass dabei der Klassenkampf als rudimentäre Erscheinung an „den Peripherien des Imperiums“ noch zugelassen wird, verwundert nicht, da er nicht ganz zu leugnen ist, ist er wenigstens zu verschieben. Befinden wir uns doch auf einem höheren Entwicklungsniveau als die Länder an der „Peripherie des Imperiums“. Und TomGard, worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Lohnarbeitern und Sklaven, das von Sklavenunruhen die Rede ist? Wofür wird gekämpft, wenn von solchen Unruhen die Rede ist, um persönliche Freiheit, frei vom Besitz im doppeltem Sinne oder um ökonomische Rechte, um einen größeren Anteil am selbst geschaffenen gesellschaftlichen Reichtum, zur Sicherung der eigenen Lebensgrundlage? Übrigens wenn im Zusammenhang mit Lohnarbeit die Rede von Sklaverei ist, dann sollte es immer in Kombination erfolgen, als Lohnsklaverei, Ausdruck des Zwangs seine Arbeitskraft verkaufen zu müssen um leben zu können. Also der Zwang die einzige Ware über die der Proletarier verfügt, seine Arbeitskraft, verkaufen zu müssen!

Und was beinhaltet die angesprochene US-amerikanische „KZ-Ökonomie“? Sind die Menschen, welche in den Gefängnissen sitzen Sklaven, gehören sie irgendjemanden, oder werden sie mittels Rechtsystem gezwungen ihre Arbeitskraft zum eigentlichen Wert zu verkaufen? Diese Art kapitalistischer Ökonomie ist so alt wie der Kapitalismus selbst, erinnert sei an die Arbeitshäuser in England, wo Menschen gezwungen wurden an Maschinen zu arbeiten und damit auch für technologische Abläufe überhaupt erst diszipliniert wurden. Also auch in diesem Zusammenhang nichts Neues in der Gesellschaft des Kapitals! Der Grad der Ausprägung und Anwendung solcher Methoden hingegen ist durchaus als Folge des Klassenkampfes zu sehen, welchen es angeblich nicht gibt, in Wirklichkeit von den Kräften des Kapitals aber immer intensiver geführt wird, ohne jedoch auf direkte wirkungsvolle Gegenwehr zu stoßen. Ideologisch ist diese geringe Gegenwehr durchaus damit zu begründen, dass dem Proletarier beständig eingeredet wird, dass es ihn eigentlich nicht mehr gibt und somit auch keine entsprechende Klasse ihn eint! Nicht nur er wurde und wird auf ein schwarz-weiß Schema getrimmt, in welchen sich die Welt in Gut und Böse teilt und gerade das Böse ja bekanntlich immer und überall zu finden ist. So freut sich Mensch, wenn er zu den Guten gehören kann und folgt den Vorgaben über die Ursachen des Bösen, welche in der Regel im Menschen selbst verankert werden. Oft genetisch bedingt, nur nicht in den gesellschaftlichen Verhältnissen verortet. Um intensiveres Nachdenken zu vermeiden, wird gelegentlich Böses in den Reihen des Kapitals festgestellt und geopfert, die Illusion von der Fähigkeit zur Selbstreinigung erweckent. Das eine und andere Opfer auf dem Altar des Kapitals erfüllt seine Zwecke, ohne jedoch das System selbst in Frage zu stellen. An den grundlegenden gesellschaftlichen Verhältnissen hat sich hingen nichts geändert, nur in der Darstellung derselben!

Weltweites agieren des Kapitals bedeutet noch lange nicht, dass es auf seine nationalen Grundlagen verzichten kann, selbst wenn diese sich wandeln, erweitern, wie zum Beispiel im Falle der EU. Auch in diesem Fall werden zwar hoheitliches Recht abgegeben, aber nicht irreparabel, sondern nur im Interesse des Kapitals, auch um demokratische Entwicklungen in den eigenen Ländern, welche den Interessen des Kapitals nicht entsprechen, entgegenzuwirken. So wird z. B. gern die Mähr verbreitet, dass deutsche Politiker nicht anderes können, da die EU es vorschreibt, dass deutsche Politik die EU-Politik dominiert wird in diesem Zusammenhang gern verschwiegen. Und wie demokratisch ist die EU, selbst mit den niederen Maßstäben bürgerlicher Demokratie gemessen, können ihre Institutionen durchaus als undemokratisch angesehen werden. Nein, am System des Kapitals in seiner höchsten Ausprägung hat sich grundsätzlich nichts geändert, selbst wenn es anders dargestellt wird, der Schein trügt, die gesellschaftliche Praxis dürfte Beweis genug sein, wenn nicht oberflächlich verweilt wird!

Gruß das Jungchen! 


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