Archive für 29.9.2011

Weiterführende Gedanken zu einem Text.

Weiterführende Gedanken zu einem Text.

Nun hatte ich hier einige Gedanken zu einem Text nieder geschrieben und eine Antwort erhalten. Diese Antwort regte mich zu folgende Gedanken an. Die Antwort selbst werde ich dem Text anhängen. Ursprünglich hatte ich nicht vor einen so langen Text zu schreiben, aber es folgte ein Gedanke den anderen, dabei sollte anfänglich nur die Aussage kritisiert werden, dass die katholische Kirche im Mittelalter nur Mittel der Macht war und kein Eigenleben führte. Gerade im Zusammenhang mit dem gewesenen Papstbesuch sicher nicht uninteressant ein solches Thema aufzunehmen. Durch die Medien wurde der Besuch ja hochgejubelt, Proteste wenn überhaupt nur am Rande erwähnt, dass es diese gegeben hat. Dabei gab es allein in Berlin eine Protestveranstaltung von 15.000 Menschen, die größte in einem solchen Zusammenhang bis jetzt überhaupt. Hier nun meine Gedanken:  

 

Hallo Witold,

nun hast Du durchaus Recht, wenn Du darauf verweist das die katholische Kirche ihren Ursprung in der Antike hat. Ihre Entwicklung hingegen nahm sie unter feudalen Bedingungen! Oder richtiger, der Katholizismus ist die den feudalen Verhältnissen entsprechende Hülle für den christlichen Glauben. Die antike Form hingegen hat sich im oströmischen, byzantinischen Reich in Form der orthodoxen Kirche erhalten. Das byzantinische Reich war die letzte antike Staatsstruktur und Religion ist nach wie vor ein gesellschaftliches Produkt. In der Regel entspricht sie den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen und wenn sie diesen nicht entspringt, so passt sie sich an, oder hört auf zu existieren.   

Religion ist immer ein Mittel der Machtausübung, ein Mittel der Politik, dieses trifft besonders auf die katholische Kirche zu, welche von den sich entwickelnden feudalen Verhältnissen geprägt wurde. Sie möge zwar in der Antike gezeugt worden sein, ist jedoch ein Kind des Feudalismus. Nach Zusammenbruch des weströmischen Reiches und in Folge der Völkerwanderung im 5 Jahrhundert bildete sich auf ehemals römischem Gebiet eine frühfeudale Gesellschaft heraus. Die Franken gewannen an Einfluss und um 500 hatte Chlodwig sein Reich ausgedehnt und seine Macht gefestigt. In diesem Zusammenhang wurden Teile der ehemals römischen Verwaltung übernommen, wobei innerhalb dieser Machtstrukturen örtliche Bischöfe eine Rolle spielten. Chlodwig trat um 500 zum Christentum über und lies sich taufen. Er setzte den entscheidenden Einfluss des Königs auf die Einsetzung von Bischöfen durch und versuchte eine einheitliche Kirchenstruktur für das Frankenreich zu schaffen. Die Machtverhältnisse waren klar und Chlodwig trat Pragmatischerweise zum Christentum über und verband somit die hergebrachte Verwaltung mit den mitgebrachten Strukturen. Grafen und Bischöfe wurden zu Verwaltern königlicher Güter, die Lehen wurden auf Zeit vergeben. Entscheidende Grundlage für die Investitur war das Eigenkirchenrecht, die Grundherren ließen Kirchen auf eignen Grund errichten und sicherten sich somit auch den Einfluss auf die Verwaltung durch die Einsetzung von Bischöfen, Äbten etc. letztlich wurden damit königliche Eigentumsrechte gesichert. Die Kirchenfürsten nahmen aber auch durchaus eigenen Interessen war, wobei die Verschmelzung von Staat und Kirche auf Grund mitgebrachter Arbeitsteilung anfänglich zum Aufbau und Erhalt feudaler Macht durchaus zwingend war. Im ausgehenden Mittelalter änderte sich das, immer mehr schwand das Bildungsmonopol der Kirche und die weltliche Macht war nicht mehr unbedingt auf die Kirche angewiesen. Und so ging es auch im Investiturstreit um Eigentumsrechte, wobei dieser in einem Kompromiss endete und dem Kaiser zumindest noch ein Vetorecht zubilligte. Das Konkordat welches Heinrich V. mit dem Papst 1122 tauschte besiegelte die geistige Ehe mit der Kirche und das priesterliche Hirtentum, sozusagen der erste Staatskirchenvertrag. Die Kirche nutzte in diesem Zusammenhang die Schwäche des Kaisers, um ihre angestammten Rechte trotz schwindenden Einflusses auf die weltliche Macht zu sichern. Also war die Kirche vordem durchaus schon Eigensubjekt, nur hatte sie sich im ausgehenden Mittelalter auf Grund des immer schwächer werdenden Kaisertums ihre materielle Machtbasis sichern können.

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