Archive für Oktober 2011

Gramsci, Lenin, Revolution und Hegemonie

Im Folgenden ein Text von Ernst Wimmer welchen ich mit Vorwort von Sepp Aigner von dessen Seite übernehme. Meines Erachtens enthält der Text wesentlich mehr, als „nur“ der Überschrift zum Vorwort und Text zu entnehmen ist. Grundsätzlich werden wichtige Punkte kommunistischer Bewegtheit angesprochen. Gerade die Aussagen zu Hegemonie, zur führenden Rolle der Partei der Arbeiterklasse und zum dritten Weg sind beachtenswert und hochaktuell. Er zeigt auch, wie komplex Klassenkampf ist und bei aller objektiven Bedingtheit es auf das bewusste, zielorientierte Handeln der Menschen ankommt. Hier nun der Text mit Vorwort von Sepp Aigner und entsprechenden Quellenverweisen:  

Der Leninist Gramsci

Der hier gespiegelte Aufsatz von Ernst Wimmer ist 1984 erschienen, aber im Zusammenhang mit den Diskussionen in der Linken, speziell der DKP, erstaunlich aktuell. In diesem Blog wurd schon in mehreren Beiträgen auf das “Spiel” verwiesen, marxistische Theoretiker für aktuelle “Linienkämpfe” zu benutzen un sie gegeneinander auszuspielen. Die bekanntesten Beispiele sind Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci, die von “Erneuerern” des Marxismus gern gegen Lenin “verwendet werden. (s. dazu auch: http://kritische-massen.over-blog.de/article-mit-gramsci-gegen-lenin-durchaus-keine-historische-debatte-83608443.html und http://kritische-massen.over-blog.de/article-die-luxemburg-legende-und-ihre-aktuellen-zwecke-83518390.html ) Der Text von Ernst Wimmer beleuchtet das theroetische Denken Gramscis und seinen Zusammenhang mit Lenin.

Ernst Wimmer war ein bedeutender kommunistischer Theoretiker und Publzist in Österreich ( http://www.kominform.at/article.php/20111027002518293 ).

Gramsci und die Revolution

Von Ernst Wimmer

Je tiefer die Krise des Kapitalismus, je erbitterter und komplizierter der ideologische Kampf, je stärker Versuchungen zu „dritten Wegen”, Umwegen und Ausflüchten, desto häufiger werden — ganz verlässlich — auch Versuche, hervorragende Revolutionäre irgendwie noch als „Zeugen” gegen ihre revolutionäre Sache zu zitieren. Freilich meist, indem man sie lediglich mit ein paar Sätzen zu Wort kommen lässt, diese gegen ein Lebenswerk kehrt und alles andere, dabei Störende, nach Kräften unterschlägt oder entstellt. Schon klassisches Beispiel dafür ist die Legende um Rosa Luxemburg. Erbitterte Gegner jeder sozialistischen Umwälzung, die ihren Vorteil in den Kittelfalten des Kapitals suchen und anderen davon Geborgenheit versprechen, sind heute erst recht bemüht, Rosa als Skeptikerin gegenüber der Arbeitermacht hinzustellen, obgleich sie vor 60 Jahren gerade deshalb ermordet wurde, weil sie ohne Schwanken zielstrebig für die Errichtung der Arbeitermacht eintrat, den Kampf, die dafür nötige Partei organisierte. Ähnliches wird nun, wenn auch aus verschiedenen Motiven, mit verschiedenen Mitteln schon seit geraumer Zeit mit Antonio Gramsci versucht. Mit jenem Gramsci, dessen Leben in den Kerkern des Mussolini-Faschismus vorsätzlich zerstört wurde, weil man seine Unbeugsamkeit als Revolutionär kannte und fürchtete. („Wir müssen dieses Hirn 20 Jahre am Denken hindern”, sagte der faschistische Staatsanwalt unverblümt vor dem Gericht, das gehorsam Gramsci zu 20 Jahren Kerker verurteilte.)

Die Flut von Büchern, Monographien und Artikeln, die in den letzten Jahren über Gramsci erschien, hat Österreich nur mit Ausläufern erreicht. Mit der „Tendenzwende” auch in unserem Land, mit einer verstärkten Suche nach einer gesellschaftspolitischen Alternative, welche die absolute SP-Mehrheit nicht gebracht hat, wird sich auch dies ändern. Denn die Mehrzahl dieser Publikationen wurde weniger mit der Absicht verfasst, Probleme wiederzugeben, zeitbezogen zu untersuchen, die Gramsci beschäftigt hatten, als mit dem Vorsatz, ihn einmal für dieses, ein andermal für jenes, oft völlig Unvereinbares zu reklamieren.

Gramscis „Gefängnisschriften”

Dem strapazierten Leser wollen wir eine Aufzählung all dessen ersparen, wofür Gramsci schon bemüht worden ist. Aber eine kurze Skizze sind wir schuldig. Einmal wird er zum „letzten großen Repräsentanten der radikal-demokratischen Tradition Italiens” verharmlost, ein andermal in die Nachbarschaft des Vaters des Revisionismus, Bernstein, gerückt, ja gar als dessen „Systematisierer” gelobt, um desto besser verleumden zu können. Einmal will man bei ihm eine Geistesverwandtschaft mit „dem” Austromarxismus entdecken (als ob es je einen einheitlichen gegeben hätte), ein andermal die „Vaterschaft des Eurokommunismus”, eines „völlig neuen dritten Weges”. Ob man ihn — den unbändigen, weil nüchternen revolutionären Optimisten, den Verkünder der Unentbehrlichkeit der Kultur für die Revolution — mit dem Kulturpessimismus Adornos oder Marcuses zusammenpendeln will oder als hochbegabten, aber zufällig in die Politik verschlagenen Philologen oder Philosophen präsentiert: All das hat ungeachtet der Unterschiedlichkeit der Motive letztlich den nämlichen Zweck: den Leninisten Gramsci in Gegensatz zum Leninismus, zur Kommunistischen Internationale zu bringen, zu deren markantesten Vertretern er zählte.

Wo liegen Ansatzpunkte für willkürliche Interpretationen, für Entstellungen? In Gramscis Ausgangspunkt als idealistischer Philosoph, in seiner Entwicklung von einem führenden Funktionär der Sozialistischen Partei, also der II. Internationale, zu einem Führer der Kommunistischen Partei, also der III. Internationale. In der Besonderheit eines Teils seines Werks. In der Tatsache, dass Gramsci unter bedrückendsten Bedingungen, in Kerkerhaft, in einer dadurch erzwungenen „Sklavensprache”, die den Verzicht auf die marxistische Terminologie gebot, solche Umschreibungen wie soziale Gruppen” statt „Klassen” oder „Philosophie der Praxis” statt „Marxismus”, dass Gramsci unter diesen Bedingungen — eine imponierende Leistung — fast 3 000 Seiten Aufzeichnungen verfasste; Fragmente, Skizzen, Überlegungen, weil die Situation nichts anderes erlaubte. Einige tausend Seiten zur Selbstverständigung. Ein Herausgreifen von Problemen, ein Weiterspinnen von Entwicklungsfäden, ohne Zwang zur Ausgewogenheit und Berücksichtigung sämtlicher Zusammenhänge, ohne Möglichkeit, dieses Denken auf das — draußen — unmittelbar nötige Handeln der Bewegung zu beziehen. Darin liegt ein besonderer Reiz, eine ungemein anregende Kraft. Freilich auch die Möglichkeit zur falschen Akzentuierung, Kommentierung, zur Entstellung, zur Missdeutung.

Diese „Gefängnisschriften”, deren Veröffentlichung in den fünfziger Jahren großes Aufsehen hervorrief, die mit dem höchsten italienischen Literaturpreis ausgezeichnet wurden, haben — nicht zufällig — Gramscis Arbeiten aus jener Zeit überschattet, als er noch politisch in der Leitung der KPI und in der Kommunistischen Internationale tätig sein konnte. Die Leitlinie in diesem Werk — sagte Togliatti, Gramscis engster Kampfgefährte, dazu— kann man nur in der realen Tätigkeit Gramscis finden. Sämtliche Fragestellungen, Sondierungen, Überlegungen der „Gefängnisschriften”, alle hängen ursächlich mit Gramscis Hauptwerk zusammen: dem Aufbau der Kommunistischen Partei, seinen Bemühungen um ihre Bolschewisierung. Eben diese innere Einheit unterstrich Togliatti, als er (auf der Konferenz über Gramsci in Rom, Jänner 1958, in seinem Beitrag „Der Leninismus im Denken und Handeln von Antonio Gramsci”) sagte: „Gramsci war ein Theoretiker der Politik, vor allem aber war er ein praktischer Politiker, dass heißt ein Kämpfer. In der Politik muss die Einheit des Lebens von Antonio Gramsci gesucht werden: Der Ausgangs- und Endpunkt, die Suche, der Kampf, das Opfer sind Momente dieser Einheit.”1

Der Fatalismus des Austromarxismus — im Gegensatz zu Gramsci

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Wohin steuert die Gesellschaft?

Wohin steuert die Gesellschaft, wohin wird sie gesteuert und wohin lässt sie sich steuern?  

Auf der Seite Kritische Massen wurde ich auf ein Interview mit Eric Hobsbawm aufmerksam, welches vor über zwei Jahren auf der Internetseite des Stern veröffentlich wurde. Dabei kann ich nur feststellen, dass die jüngsten Ereignisse die Aussagen des Historikers nur bestätigen.

In diesem Zusammenhang passt ein weiter Beitrag auf erstgenannter Seite, welcher sich mit den Auseinandersetzunge und wachsenden Differenzen im Lager der Hauptmächte in der EU beschäftigt, gerade auch was die Hegemonialmachtbestrebungen bundesdeutscher Politik und die Reaktionen innerhalb der EU betrifft. Der mit einem Vorwort des Blog-Betreibers eingeleitet Beitrag mit der Überschrift „Auf Kollisionskurs (II)“ findet sich hier.

Dabei scheinen sich gegenwärtig bestimmte Kräfte des Kapitals auf Kollisionskurs mit dem Rest der Welt  zu befinden, ein Krieg nach dem anderen wird geführt, Unruheherde geschaffen und beständig befeuert, Aggressionen bestimmten das Leben von immer mehr Menschen, Gewallt nimmt zu und Entzivilisierung wächst in dem Maße wie Krisen ihre Dynamik entfalten. Die Welt verändert sich und das in einem Tempo wie es vordem unbekannt war, dabei sind die Folgen nicht absehbar, besonders wenn sie dem anarchistischen Agieren des Kapitals entspringen.

Ursachen, Ursachen und Wirkung!?

Ursachen, Ursachen und Wirkung!?

Heute erhielt ich einen Hinweis auf einen Beitrag welcher sich mit den Ereignissen in Nordafrika beschäftigt und dabei vom Ausgang der Wahlen in Tunesien beeinflusst wurde. Dabei ist im Beitrag wie auch in manchem Kommentar die Ansicht zu finden, dass es menschliche Charakterzüge und Eigenschaften verantwortlich für die Taten von Politikern sind. Also ob ein Politiker machen könnte was er wollte, als ob ein einzelner Mensch die Geschicke der Welt steuert und lenkt. Das Fatale an eine solche Logik ist, dass sie von den eigentlichen Ursachen für die gegenwärtigen Kriege und Krisen ablenken. Nun möge das Ergebnis einer Tat, von dessen ursprünglichem Ziel abweicht, was alles andere als unnormal ist, trotzdem oder gerade deswegen ist es wichtig das eigentliche Ziel zu ergründen, genauso wie die Ergebnisse der Tat richtig zu werten. Letztlich geht es um die objektiven Ursachen, welche im System des Kapitals selbst zu finden sind und nur dort. Es sind objektive Gesetzmäßigkeiten welche das Handel von Menschen bestimmt. Und nur wenn diese Gesetzmäßigkeiten erkannt werden, können die eigentlichen Ursachen für Krisen und gegenwärtige Kriege erkannt werden und nur so können die entsprechenden Schlüsse, welche eine Lösung dieser Probleme bewirken können, gezogen werden. Das dem so ist, ist zum Beispiel auch daran zu sehen, dass Politiker kommen und gehen, die Verhältnisse sich aber nur unwesentlich Ändern. Tod dem König, es lebe der König hat zwar in der Geschichte gelegentlich die Lage der rebellierenden Menschen marginal verbessert, aber nicht zu grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen geführt. Zum Beitrag selbst habe ich folgenden Kommentar hinterlassen:

Wo es keine Zukunft gibt, wird die Alternative in der Vergangenheit gesucht! Lieber feudale Verhältnisse, als Marionette imperialistischen Seins, scheinen sich die Menschen dort zu sagen. Eine andere Alternative scheint es nicht zu geben, wurde doch gerade erste in Libyen eine weggebombt.

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Erklärung des Deutschen Freidenker-Verbands zu Libyen

Erklärung des Deutschen Freidenker-Verbands                                                                         (21. Oktober 2011)

Der Lynchmord an Muammar Gaddafi, des Führers eines souveränen Staates, durch die NATO-Verantwortlichen, zeigt ebenso wie die von ihnen am libyschen Volk begangenen völkerrechtlichen Verbrechen und die durch sie organisierte moralische Lähmung der westlichen Öffentlichkeit mit den Mitteln einer totalitären Lügenpropaganda, dass wir in einer Zeit des fortschreitenden Verfalls errungen geglaubter zivilisatorischer Maßstäbe leben.

Großbritannien, Frankreich, die USA und die NATO wollten angeblich die Zivilbevölkerung schützen – ihre Bomben haben Krankenhäuser, Schulen, ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Über 60.000 Menschen hat der ‘Schutz‘ schon das Leben gekostet.

Für alle, die Mitgefühl und einen Sinn für Gerechtigkeit bewahrt haben, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, unzweideutig Partei für das libysche Volk und gegen die Aggressoren zu ergreifen – auch nach der Ermordung Gaddafis. Genau dies versuchen die Kriegstreiber und Mainstream-Medien zu verhindern.

Die NATO-Aggression dient dem Roll back des ‚arabischen Frühlings‘, der erneuten Versklavung Nordafrikas und Verhinderung afrikanischer Unabhängigkeit, insbesondere einer von Weltbank und IWF unabhängigen Afrikanischen Entwicklungsbank mit der Gold-Lyra als Leitwährung, die Dollar und Euro vom Öl-Geschäft abgekoppelt hätte. Von Libyens Öl sollen die Multis einen höheren, die Bevölkerung einen niedrigeren Anteil enthalten, die Goldreserven von mindestens 150 Milliarden Euro sind in der Wirtschaftskrise willkommen und ihre 200 Milliarden Euro Schulden wollen EU und USA an Libyen auch nicht zurückzahlen. Weitere Kriege wie gegen den Iran sind in Vorbereitung – die Einkreisung Russlands und Chinas geht weiter.

Der Deutsche Freidenker-Verband appelliert an alle rechtlich denkenden Menschen: Leistet Widerstand gegen die Zerstörung von Vernunft und Zivilisation. Es geht heute mehr denn je darum, die Geltung des Rechts der Völker, die demokratischen Grundrechte, die Mindeststandards öffentlicher Berichterstattung und die moralischen Werte des menschlichen Fortschritts zu verteidigen. Die daraus folgenden aktuellen Forderungen können nur lauten: Die Wahrheit über diesen verbrecherischen Krieg verbreiten - Solidarität mit dem Lybischen Volk! Die NATO-Kriegsverbrecher zur Rechenschaft ziehen - Aus der NATO austreten! Der Gehirnwäsche widerstehen! Aufklärung aktiv unterstützen – Mitglied bei den Freidenkern werden!

„Die menschenunwürdige Tötungskultur der „Westlichen Wertegemeinschaft“ – ein Aufruf!

Heute erhielt ich per E-Mail eine Erklärung des Bündnisses für soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde e.V. mit der Überschrift: „Die menschenunwürdige Tötungskultur der „Westlichen Wertegemeinschaft“ am Beispiel der Ermordung des Präsidenten Libyens.“

Der Aufruf endet mit folgender Aussage: Ständiges Fazit imperialistischer Politik: Solange Diktaturen nützlich und unterwürfig die Interessen des Kapitals bedienen, sind sie Verbündete. Wird jedoch in einem Staat dem Kapital die Verfügungsgewalt über Eigentum an Grund und Boden und an den Energieressourcen entzogen, scheuen die Vertreter kapitalistischer Staaten für die Profitinteressen des Kapitals die Vernichtung von schuldlosen Menschen nicht.“ In letzterem Fall werden unter Umständen demokratische Verhältnisse mit dem Stempel –Diktatorisch- versehen, sei dem noch hinzuzufügen!

Fragment zum Krieg in Libyen!

Das Ende eines Krieges wurde verkündet, die NATO fliegt weiter Luftangriffe und ein Land ist tief gespalten!

„Tiefe Risse“ ist ein Kommentar zur Situation in Libyen in der Jungen Welt überschrieben, welcher die Situation sehr gut schildert und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gibt. Heute wurde ich hier auf einen weiteren sehr interessanten Beitrag aufmerksam, welcher sich mit der Geschichte des Grauens beschäftigt. Erschreckend wie viele Tote abendländische Kultur im Laufe ihres Seins schon produziert hat. Das begann im Mittelalter, setzte sich über die beginnende Neuzeit bis in die Gegenwart fort. Einzig eine relative Atempause war den Menschen vergönnt, als das sozialistische Lager imperialen Bestrebungen etwas Einhalt gebieten konnte.

Aber noch einmal zurück zum Thema Libyen, denn obwohl der Frieden verkündet wurde, oder besser der Sieg, hat die NATO weitere Luftangriffe gegen das Land geflogen, leider ist nicht zu erfahren, was und wer angegriffen wurde.

Übrigens findet sich hier ein interessanter Bericht über die Geschichte Libyens, welcher durchaus zum Nachdenken anregt, aber auch veranschaulicht welches Interesse die NATO-Staaten an diesem Land haben. Interessant dabei ist die Lernfähigkeit welche an den Tag gelegt wurde, sich verändernden Bedingungen zu entsprechen. Wege welche sich als nicht günstig erwiesen hatten wurden aufgegeben und neue in Angriff genommen. Was für eine sich entwickelnde Gesellschaft eigentlich normal sein sollte, jedenfalls wenn Bestrebungen bestehen im Interesse des Volkes zu agieren. Im Beitrag selbst finden Wechselwirkungen von alten, traditionellen Strukturen und neuen Strukturen leider keine Berücksichtigung. Dabei spielen gerade auch hergebrachte Stammesstrukturen eine Rolle, welche sicher Einfluss auf die neu entstandenen basisdemokratischen Strukturen hatten. Was gegenwärtig aber keine Rolle mehr spielt, da das libysche System von der NATO zerbombt wurde und es nach den jüngsten Ereignissen wieder zu einer Marionettenregierung kommen wird, wie sie vor 1969 Bestand hatte. In wie fern und wie lange sich die Libyer dieses gefallen lassen werden, wenn überhaupt ist eine andere Frage.

… und wie es in Libyen weitergehen soll.

Medialer Kampf um die Rechtfertigung eines Krieges!

Nun finden sich in den Medien die verschiedensten Informationen zum Tod von Gaddafi und wie es in Libyen weitergehen soll. Dabei scheinen gerade die Meinungsmachemedien den Auftrag bekommen zu haben, mit Nachdruck ein Bild von Gaddafi zu vermitteln, welches taugt den Krieg gegen das libysche Volk zu rechtfertigen. Dazu laufen auf vielen Kanälen Sendungen, welche sich mit dem Leben und Tod Gaddafis auseinandersetzen und das Bild eines in Elend und Arroganz gestorbenen Diktators zu vermitteln suchen. Nur egal, welches Bild auch gezeichnet wird und sicher hat dieser Mann auch Fehler gehabt und gemacht, kann dieses doch lange noch nicht den Mord an viele tausend Libyer rechtfertigen! Doch wird es versucht und leider so manchen fruchtbaren Boden erreichen. Überhaupt hat der Anteil der Meinungsmachemedien an diesem Krieg neue Dimensionen erreicht und mehr als bei allen anderen Kriegen der jüngeren Vergangenheit war dieser Einfluss zu erkennen. Von Beginn der Auseinandersetzungen an, wurde alles getan um diesen Krieg in einem rechten Licht erscheinen zu lassen, wobei es eigentlich nie eine andere Forderung gegeben hat, als die der Absetzung Gaddafis. Das allein zeigt eigentlich auf welche wackligen Füßen dieser Krieg gestanden hat, trotzdem ist es mittels medialen Trommelfeuers gelungen die Völker weitestgehend für diesen Krieg zu vereinnahmen, zumindest ruhig zu halten. Es ist den Meinungsmachemedien gelungen von den eigentlichen Ursachen des Krieges abzulenken und einen Einzeltäter als Ziel zu präsentieren. Nur zeugt nicht ein solcher Erfolg von Einfältigkeit als Massenerscheinung? Sind die Menschen in den Hauptländern des Kapitals überwiegend wirklich so naiv zu glauben was die Meinungsmachemedien ihnen servieren, ohne es nur in einem Anflug von Zweifel zu hinterfragen? Sollte der Herdentrieb des Individualismus schon soweit ausgeprägt sein, dass die Menschen vermeinen ein Einzelner könne die Welt regieren, oder zumindest ein Land? Sicher spielen Persönlichkeiten eine Rolle in der Geschichte, nur sind entscheidend für ihr Wirken, für ihren Erfolg die mannigfaltigsten Bedingungen.

Aber nicht nur das dieses von den Medien gern negiert wird, es wird Wasser auf die Mühle der Macht individualistischer Egozentrik gegossen, welche zwar innerhalb kapitalistischen Seins gern hochgehalten wird und mittels Elitetheorie sogar begründet, wenn es aber diesem widerspricht gern simuliert das dem mit Volkesmacht entgegenzutreten ist. Mit einer Macht also, welche man dem eigenem Volk gern abspricht! Allein die Ursachen der sich zuspitzenden Widersprüche innerhalb kapitalistischen Seins ist besagte Egozentrik aber nicht, sonder eine Folge objektiver Gesetzmäßigkeiten welche im System des Kapitals wirken!

Wie dem auch ist, die Menschen waren in ihrer Mehrheit untätig, was die Untat der NATO und ihrer Schergen stützte und deckte. Keine bedeutende politische Kraft in diesem Land hat klare Position gegen den Krieg in Libyen bezogen, maximal wurde die Verhältnismäßigkeit der Mittel angesprochen, das Ziel der Operation aber nicht in Frage gestellt!    

So wie die Propaganda für diesen Krieg aufgebaut ist, war der Tod Gaddafis das einzige Ziel dieses Krieges. Der Tod zehntausender Libyer wird geflissentlich unterschlagen, oder als Kollateralschaden betrachtet. Freiheit hat eben ihren Preis, jedenfalls die bürgerliche geht dabei durchaus über Berge von Leichen. Bürgerlich sei da im klassischen Sinne und nicht im allgemein gebräuchlich verklärten gemeint und am Besitzstand orientiert. Bürger ist nach wie vor mit Besitzstand verbunden, auch wenn diese Bezeichnung heute einem jeden Menschen gern auf die Stirn gepresst wird. Seinen Anfang nahm eine solche Vorgehensweise mit der französischen Revolution, wo selbst in der Anrede der „Bürger“ vorangestellt wurde. Dabei ist ein Blick in die tägliche politische Praxis ausreichend um zu erkennen, wer eigentlich die Bürger sind und wer nicht. Zwar werden Bürgerrechte immer wieder verkündet und sich auch auf diese berufen, allein gelten sie nur für eine bestimmte Gruppe Menschen und sind selbst im kleinsten Umfang vom Besitzstand (in einfacher Form vom Geld) abhängig. Sie haben nur bestimmten Interessen zu dienen, vorrangig jenen des Kapitals. So spielt es auch keine Rolle wenn ein Politiker gejagt wird, dass die Wahl der Mittel genauso sekundär ist, wie die Verhältnismäßigkeit ihrer Anwendung. Dabei haben jene Kreise, welche den Krieg gegen Libyen angezettelt und geführt haben, ja noch führen, allgemein nicht einmal etwas gegen Despoten, Diktatoren und was es noch so gibt, sie haben auch nichts gegen Gottesstaaten wie zum Beispiel Israel und Saudi-Arabien oder andere Staatsformen, welche gelegentlich in der Kritik stehen, solange sie nur ihren Interessen dienen.

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Mutassim Gaddafis Rede

Mutassim Gaddafis Rede an die Welt.

Nun ist es nicht neu im Krieg gegen das libysche Volk das die Meinungsmachemedien den Tod eines Sohnes Gaddafis verkünden. Und es ist auch nicht neu, dass sich der Todgesagte zeigt oder zumindest zu Wort meldet. Durch ein E-Mail wurde ich auf einen Beitrag mit der Überschrift: „Libyen: Mutassim Gaddafis Rede an die Welt. Aufruf zur globalen Revolution!“ aufmerksam und da diese Rede wohl kaum nennenswerte Beachtung in den Meinungsmachemedien finden wird, sei hier darauf verwiesen. Auch mit dem Ansinnen, dass sie dadurch gebührende Verbreitung findet.  

In diesem Zusammenhang sollte auch beachtet werden, dass dieser Krieg den Libyern bis jetzt über 60000 Tote gekostet hat, in der Mehrzahl alles Menschen, welche angeblich geschützt werden sollten. In Libyen wird ein Krieg geführt, welcher sich einreiht in eine Reihe weiterer Kriege auf drei Kontinenten. Dabei dauert die Eroberung dieses Landes nach wie vor an und wie oft wurden in diesem Krieg schon Siege verkündet, welche anschließend widerrufen werden mussten? Das libysche Volk weiß worum es kämpft, heute sind es nicht mehr nur die verloren gegangenen Errungenschaften, sonder es geht schlichtweg ums Überleben, wenn berücksichtigt wird, mit welcher Brutalität die NATO geführten Truppen gegen die Bevölkerung vorgehen. (Hier findet sich ein Fotovergleich von einer zerstörten Stadt während des Vietnamkrieges der USA und eines Straßenzuges in der libyschen Stadt Sirte.)

Dabei geht es nicht nur um Libyen, es geht um alle Menschen, es geht um unsere Welt, es geht um einen Krieg, welcher gegenwärtig in vielen Ländern geführt und beständig ausgeweitet wird. Es geht um einen neuen Weltkrieg, welcher in seiner Art und Weise und Ausdehnung der Produktivkraftentwicklung unserer Zeit entspricht. Die allgemeine Krise des Kapitals führt dazu, dass in einem immer größeren Umfang Produktivkräfte in Destruktivkräfte verwandelt werden und ihre verheerende Wirkung entfalten. Von den gegenwärtigen Kriegen sind alle Menschen auf diesen Planten betroffen, egal wie weit sie von den jeweiligen Kriegsschauplätzen entfernt leben. Dabei hat die Vergangenheit ausreichend bewiesen, dass Kriege auch immer an ihren Ausgangsort zurückkehren.

Hier der Text der Rede Mutassim Gaddafis:

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Zwei weitere Kommentare …

Zwei weitere Kommentare …

Ein Thema wurde gespiegelt, einen Kommentar hatte ich geschrieben und Antwort erhalten. Die Antworten zeugten zwei weitere Kommentare, welche ich in Folge wiedergebe, da das Thema durchaus interessant ist und die Bedeutung über den eigentlichen Gegenstand hinausreicht. Nun hatte ich die Überschrift meines ersten Kommentars mit einem Fragezeichen versehen, sicher nicht ohne Grund, da die eigentlichen Beweggründe nicht immer offensichtlich sind. Dabei zeigt der ursprüngliche Beitrag eine wahrscheinliche Möglichkeit der Entscheidung Chinas im Falle Libyen sich der Stimme zu enthalten auf.

Zweiter Kommentar:

Nun hatte ich nichts von einer jüngeren aufstrebenden USA geschrieben, nur von Bestrebungen den eigenen Einfluss auszubauen und den der USA und ihrer Verbündeten zurückzudrängen. Die Überschrift ist mit Fragezeichen versehen, da ich mir alles anderes als sicher bin. China erhält die verschiedensten Beziehungen zu vielen Staaten, dabei ist die Vorgehensweise sicher nicht mit der der USA zu vergleichen, die Chinesen gehen wesentlich geschickter vor. Das sie dabei zwischen Baum und Borke stehen ist nicht zu übersehen, zum einen regiert eine kommunistische Partei und zum anderen wird die ökonomische Basis entscheidend vom Kapital geprägt. Da soll es sogar einen Zusammenhang geben, zwischen Basis und Überbau.

Nun bin ich auch kein ausgesprochener Chinakenner, aber das hier Macht geteilt wird ist offensichtlich. Andererseits ist der chinesische Weg ein Weg ins Unbekannte mit Ziel, jeder Schritt der gegangen wird, wurde so noch nicht gegangen. Im Gegensatz zu den Hauptländern des Kapitals, wo eigentlich alles schon einmal da gewesen scheint und sich nur auf höherer Stufenleiter wiederholt.

Nicht desto trotz kann ich die Entscheidung Chinas im Fall Libyen nicht nachzuvollziehen, auch mit Veto hätte Libyen gelernt und es wären unter Umständen viele Tote erspart geblieben. Hätte die USA und ihr Verbündeten dann trotzdem Krieg geführt, so wäre die Situation eine andere gewesen und unter Umständen hätte es in den kriegstreibenden Ländern mehr Widerstand gegen diesen Krieg gegeben. Aber so hatte es den Anschein, dass eigentlich keiner gegen diesen Krieg ist und doch etwas dran sein muss an dem was die Medien berichten.

Nun ja, China und wie war es mit dem Verhältnis von ökonomischer und politischer Macht?

Dritter Kommentar:  

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„Wir bitten Sie um Solidarität in Ihrem eigenen Interesse!“

Aufruf von Mikis Theodorakis

 

„Wir bitten Sie um Solidarität in Ihrem eigenen Interesse!“

                         

Theodorakis ruft zum Widerstand auf

 

An die empörten Bürger Griechenlands und Europas  Wir begrüßen die Zehntausenden, sogar Hunderttausenden von  Bürgern, vor allem junge Menschen, die sich auf den Plätzen  aller großen Städte versammelt haben, um ihrer Empörung  Ausdruck zu verleihen im Gedenken an das Memorandum  (Rahmenvereinbarung zwischen der griechischen Regierung, EU,  IWF und der EZB, seit Mai 2010 unterzeichnet und dann  regelmäßig erneuert), und den Abschied der Regierung der  Schande und aller politischen Mitarbeiter zu fordern, die dem  öffentlichen Wohl dienen sollten und denen es gelungen ist,  Griechenland zu zerstören, zu plündern und zu versklaven.  Anstatt ins Parlament gehören diese Leute alle ins Gefängnis. Wir begrüßen die erste Generalversammlungen, die in den  Zentren unserer Städte stattfinden, und die direkte  Demokratie, die die neuartige Bewegung der Jugend zu entdecken  sucht. Wir begrüßen die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes,  welche Demonstrationen, Streiks und Besetzungen begonnen  haben, um einen Staat zu verteidigen, der, statt einer  Auflösung im Rahmen des IWF, eine Verbesserung und eine  radikale Reform verzweifelt benötigt. Durch ihre Proteste  verteidigen die Arbeiter der Hellenic Postbank, der National  Elektrizitäts-Regie und der Gesellschaft der öffentlichen  Lotterie- und Sport-Wetten, das Erbe des griechischen Volkes,  das die ausländischen Banken, mittels ihrer  Marionetten-Regierung in Athen, zu plündern gedenken. Der beispielhafte Pazifismus dieser Demonstrationen hat  gezeigt, dass, wenn Polizei und Provokateure keinen Befehl  erhalten einzugreifen, Blut nicht fließt. Wir  appellieren an die griechische Polizei nicht die Instrumente der dunklen Kräfte zu werden, die auf alle Fälle versuchen  wollen, zu einem gewissen Moment die Jugendlichen und  Arbeiter blutig zu unterdrücken. Ihr Platz, ihre Pflicht und  ihr Interesse ist es, an der Seite des griechischen Volkes, der Proteste und der friedlichen Forderungen, an der Seite  Griechenlands zu stehen, und nicht an der jener dunklen  Kräfte, die ihre Politik der jetzigen Regierung diktieren. Ein  Jahr nach der Abstimmung über das Memorandum, scheint alles  dessen Scheitern zu beweisen.

Nach dieser Erfahrung ist nicht mehr die geringste Illusion  gestattet. Der Weg, den die Regierung eingeschlagen hat und  auch weiterhin einschlägt, unter der Aufsicht von Banken und  ausländischen Unternehmen, von Goldman Sachs und seinen  Mitarbeitern in Europa, führt Griechenland in die Katastrophe. Es ist unerlässlich, dass dies sofort aufhört, es ist  unerlässlich, dass sie das Land sofort verlassen. Tag für Tag offenbaren ihre Praktiken wie gefährlich sie für dieses Land sind. Es ist erstaunlich, dass der Generalstaatsanwalt noch nicht  gegen den Minister für Wirtschaft und Finanzen, nach dessen jüngsten Aussagen über die drohende Insolvenz und das Fehlen von Haushaltsmitteln, eingegriffen hat. Warum hat er nicht  eingegriffen in Reaktion auf die Äußerungen des Präsidenten  des Bundesverbandes der Arbeitgeber der Industrie und der  griechische EU-Kommissarin Mari Damanaki über ein Verlassen  des Euro? Warum hat er nicht gegen den Massenterrorismus  eingegriffen, mit dem eine bankrotte Regierung unter dem Diktat der Troika [EU - IWF - EZB], wieder einmal versucht, das griechische Volk zu erpressen? Durch ihren Katastrophismus, ihre tragische Anspielungen und alles was sie erfinden und quasseln um die Griechen aufzuschrecken, ist  es ihnen gelungen, unser Land in der Welt zu demütigen und es tatsächlich an den Rand des Bankrotts zu bringen. Wenn ein Geschäftsmann in der gleichen Weise spräche, wie dies der  Premierminister und seine Minister tun, wenn sie von  Griechenland reden, würde er sich sofort wegen schwerer  Unterschlagung hinter Gittern wieder finden.

Wir wenden uns auch an die europäischen Völker. Unser Kampf ist nicht nur der Griechenlands, es strebt ein freieres,  unabhängigeres und demokratischeres Europa an. Glauben Sie Ihren Regierungen nicht, wenn sie behaupten, dass euer Geld dazu dient, Griechenland zu helfen. Glauben Sie nicht die  groben und absurden Lügen der kompromittierten Zeitungen, die Sie überzeugen wollen, dass das Problem von der so genannten  Faulheit der Griechen herkommt, währenddem, nach den Daten des Europäischen Statistischen Instituts, diese mehr arbeiten als alle anderen Europäer! Die Arbeiter sind nicht verantwortlich für  die Krise; der Finanzkapitalismus und die Politiker in ihrem  Boot, sie sind es, die sie verursacht haben und sie ausnutzen. Ihre Programme “Rettung von Griechenland” helfen nur den ausländischen Banken, und gerade denjenigen, die mittels  Politikern und Regierungen in ihrem Sold, das politische Modell aufgezwungen haben, das zur aktuellen Krise geführt hat.

Es gibt keine Alternative zu einer radikalen Umstrukturierung der Schulden, nicht nur in Griechenland, sondern in ganz  Europa. Es ist undenkbar, dass Banken und Kapitaleigner, die  die Verantwortung für die gegenwärtige Krise tragen, nicht einen Cent zahlen, um den Schaden den sie angerichtet haben, gutzumachen. Es darf nicht sein, dass Banker sein, der einzige sichere Beruf auf der Welt ist!

Es gibt keine andere Lösung als das aktuelle europäische  Wirtschaftsmodell zu ersetzen, das entwickelt wurde, um Schulden zu erzeugen, und zu einer Politik der Ankurbelung der  Nachfrage und der Entwicklung zurückzukehren, zu einem Protektionismus, der mit einer drastischen Kontrolle der  Finanzen versehen ist. Wenn die Staaten sich nicht auf den  Märkten durchsetzen, so schlucken diese sie auf, zusammen mit der Demokratie und den Errungenschaften der europäischen  Zivilisation.

Die Demokratie wurde in Athen geboren, als Solon die Schulden  der Armen gegenüber den Reichen stornierte. Man darf heute nicht zulassen, dass die Banken die europäischen Demokratien  zerstören, um riesige Summen aus ihnen herauszupressen, die sie selbst als Schulden generiert haben. Wie kann man vorschlagen, dass ein ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs die Europäische Zentralbank führen soll? Welche Art von  Regierungen, welche Art von Politikern haben wir in Europa? Wir bitten Sie nicht, unseren Kampf aus Solidarität zu unterstützen, nicht, weil unser Land die Wiege von Platon und  Aristoteles, Perikles und Protagoras, der Konzepte von  Demokratie, Freiheit und Europa war. Wir bitten Sie nicht um eine besondere Behandlung, weil wir als Land eine der  schlimmsten Katastrophen in Europa in den 1940er Jahren  erlitten haben und wir vorbildlich gekämpft haben, dass der Faschismus sich nicht auf dem Kontinent etabliert hat.

Wir bitten Sie, es in Ihrem eigenen Interesse zu tun. Wenn Sie heute die Opferung der griechischen, irischen, portugiesischen und spanischen Gesellschaft auf dem Altar der Schulden und die Banken zulassen, wird bald die Reihe an Ihnen sein. Sie werden nicht auf den Ruinen der europäischen Gesellschaften gedeihen. Unsererseits sind wir spät dran, aber wir sind aufgewacht. Lasst uns zusammen ein neues Europa bauen; ein demokratisches,  wohlhabendes, friedliches, das seiner Geschichte, seinen  Kämpfen und seines Geistes würdig ist. Widerstehen Sie dem  Totalitarismus der Märkte, die drohen, Europa zu zerschlagen und in eine Drittwelt zu verwandeln, die die europäischen Nationen gegeneinander aufwiegeln und unsern Kontinent  zerstören, indem sie die Rückkehr des Faschismus fördern.

 


Deutsche Übersetzung: Guy Wagner

Mikis Homepage (auf deutsch):  http://de.mikis-theodorakis.net/