Subjektivismus

Subjektivismus (lat.): theoretische Auffassung und praktische Haltung, die das Subjekt und seine Erkenntnistätigkeit oder soziale Aktivität verabsolutiert. Da Subjektivismus die objektive Realität und das System ihrer Gesetzmäßigkeiten nicht beachtet oder ignoriert, ist Subjektivismus oftmals mit Idealismus verbunden.

  1. Vom Standpunkt des erkenntnistheoretischen Subjektivismus ist menschliche Erkenntnis ausschließlich auf das menschliche Subjekt zurückzuführen. Die letzte Konsequenz daraus ist der Solipsismus, der jegliche Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten leugnet.
  2. Als Orientierung ethischer und anderer Werttheorien geht der Subjektivismus davon aus, dass das abstrakt aufgefasste menschliche Subjekt Ausgangspunkt und Ziel des sozialen Handelns und Kriterium aller Werte ist. Damit gibt er der Lage des Individuums in der bürgerlichen Gesellschaft Ausdruck.
  3.  Als Bestandteil von Gesellschaftstheorien überhöht der Subjektivismus die Rolle des subjektiven Faktors voluntaristisch, indem er davon ausgeht, dass einzelne Menschen oder Gruppen gesellschaftliche Ereignisse und Geschichtsprozesse subjektiv-willkürlich gestallten können. Dieser Haltung entsprechen die meisten idealistischen Gesellschaftstheorien.

In den Naturwissenschaften und technischen Wissenschaften ist der Subjektivismus in seiner erkenntnistheoretischen Form kaum praktikabel, wohl aber wirkt er sich auf Betrachtungs- und Handlungsweisen bürgerlicher Wissenschaftler in Gestalt von Werttheorien und Soziallehren aus. Von daher beeinträchtigt er die gesellschaftliche Wirksamkeit wissenschaftlichen Forschens und Erkennens und hemmt die wissenschaftliche Erkenntnis selbst.

In der Politik erscheint der Subjektivismus als willkürliches Entscheiden und Handeln ohne Berücksichtigung der gesellschaftlichen Realität und ohne exakte Analyse der Lage. Er wirkt damit hemmend auf die gesellschaftliche Entwicklung, führt zu Fehlentscheidungen und hindert die Triebkräfte der gesellschaftlichen Entwicklung an ihrer Entfaltung.

 

Entnommen: Wörterbuch Philosophie und Naturwissenschaften, Dietz Verlag, Berlin 1983, Seite 876.

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