Thesen über Feuerbach

1.) Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus – den Feuerbachschen mit eingerechnet – ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als menschliche sinnliche Tätigkeit, Praxis, nicht subjektiv. Daher geschah es, daß die tätige Seite, im Gegensatz zum Materialismus, vom Idealismus entwickelt wurde – aber nur abstrakt, da der Idealismus natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt. Feuerbach will sinnliche, von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedene Objekte; aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im “Wesen des Christenthums” nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig-jüdischen Erscheinungsform gefaßt und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der “revolutionären”, der praktisch-kritischen Tätigkeit.

2.) Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, d. h. die Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit eines Denkens, das sich von der Praxis isoliert, ist eine rein scholastische Frage.

3.) Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern, von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist. (Z. B. bei Robert Owen.)

Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

4.) Feuerbach geht aus von dem Faktum der religiösen Selbstentfremdung, der Verdopplung der Welt in eine religiöse, vorgestellte und eine wirkliche Welt. Seine Arbeit besteht darin, die religiöse Welt in ihre weltliche Grundlage aufzulösen. Er übersieht, daß nach Vollbringung dieser Arbeit die Hauptsache noch zu tun bleibt. Die Tatsache nämlich, daß die weltliche Grundlage sich von sich selbst abhebt und sich, ein selbständiges Reich, in den Wolken fixiert, ist eben nur aus der Selbstzerrissenheit und dem Sich-selbst-widersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären. Diese selbst muß also erstens in ihrem Widerspruch verstanden und sodann durch Beseitigung des Widerspruchs praktisch revolutioniert werden. Also z. B., nachdem die irdische Familie als das Geheimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muß nun erstere selbst theoretisch kritisiert und praktisch umgewälzt werden.

5.) Feuerbach, mit dem abstrakten Denken nicht zufrieden, appelliert an die sinnliche Anschauung; aber er faßt die Sinnlichkeit nicht als praktische menschlich-sinnliche Tätigkeit.

6.) Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht eingeht, ist daher gezwungen:

1. von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das religiöse Gemüt für sich zu fixieren und ein abstrakt – isoliert - menschliches Individuum vorauszusetzen;

2. kann bei ihm daher das menschliche Wesen nur als “Gattung”, als innere, stumme, die vielen Individuen bloß natürlich verbindende Allgemeinheit gefaßt werden.

7.) Feuerbach sieht daher nicht, daß das “religiöse Gemüt” selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, in Wirklichkeit einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.

8.) Das gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch. Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizismus verleiten, finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und im Begreifen dieser Praxis.

9.) Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus es bringt, d. h. der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen in der “bürgerlichen Gesellschaft”.

10.) Der Standpunkt des alten Materialismus ist die “bürgerliche” Gesellschaft; der Standpunkt des neuen die menschliche Gesellschaft, oder die vergesellschaftete Menschheit.

11.) Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.

Quell:

Marx-Engels Werke, Band 3, Seite 533 ff. Dietz Verlag Berlin, 1969 oder hier.

Zum Verhältnis von Führer – Partei – Klasse – Masse – 4 –

Zum Verhältnis von Führer – Partei – Klasse – Masse – 4 -

Vorwort:

Wie für Zitate üblich, werden diese in der Regel aus dem Gesamtzusammenhang genommen, dabei ist gerade der historische Umstand entscheidend, welcher bestimmte Schlussfolgerungen hervorgebracht hat. Gerade die letzten drei Zitate zum Thema Führer, Partei, Klasse, Masse, entstammen einer frühen Epoche der Herrschaft des Proletariats in Russland. Sind somit zum Teil Bedingungen geschuldet, wie sie in der kapitalistischen Gesellschaftsformation nicht vorzufinden sind. In den gegenwärtigen Kämpfen können diese Zitat durchaus Interessant und hilfreich sein,  nicht nur um die Geschichte des Sozialismus und dessen gegenwärtige Niederlage in Europa aufzuarbeiten. Wünschenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Zitate anregen die Schriften zu lesen, welchen sie entnommen wurden und das nicht nur um sie zeitlich besser einordnen zu können, sondern auch um weitere interessante Aussagen zu erschließen.

Zitate:

Um über den Kapitalismus zu siegen, bedarf es richtiger Wechselbeziehungen zwischen der führenden, der kommunistischen, Partei, der revolutionären Klasse, dem Proletariat, und der Masse, d. h. der Gesamtheit der Werktätigen und Ausgebeuteten. Nur die kommunistische Partei, wenn sie tatsächlich die Vorhut der revolutionären Klasse ist, wenn sie alle besten Vertreter dieser Klasse in ihren Reihen zählt, wenn sie aus völlig bewussten, der Sache treu ergebenen Kommunisten besteht, die in zähen revolutionären Kämpfen geschult und gestählt worden sind, wenn diese Partei es verstanden hat, sich mit dem ganzen Leben ihrer Klasse und durch sie mit der ganzen Masse der Ausgebeuteten unlösbar zu verbinden und dieser Klasse und dieser Masse volles Vertrauen einzuflößen – nur eine solche Partei ist fähig, das Proletariat in dem schonungslosesten, in den entscheidenden, letzten Kampf gegen alle Kräfte des Kapitalismus zu führen. Andererseits ist das Proletariat nur unter Führung einer solchen Partei fähig, die ganze Macht seines revolutionären Ansturm zu entfalten, die unvermeidliche Apathie und zum Teil den Widerstand der kleinen Minderheit der von Kapitalismus korrumpierten Arbeiteraristokratie, der alten Führer der Gewerkschaften, Genossenschaften usw. zu überwinden – ist es fähig, seine ganze Kraft zu entfalten, die infolge der ökonomischen Struktur der kapitalistischen Gesellschaft unvermeidlich größer ist als sein Anteil an der Bevölkerung.

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Zum Verhältnis von Führer – Partei – Klasse – Masse – 3 -

Jedermann weiß, dass die Massen sich in Klassen teilen; dass man Massen und Klassen nur dann einander gegenüberstellen kann, wenn man die überwiegende Mehrheit schlechthin, nicht gegliedert nach der Stellung in der sozialen Ordnung der Produktion, den Kategorien gegenüberstellt, der sozialen Ordnung der Produktion eine besondere Stellung einnehmen; dass die Klassen gewöhnlich und in den meisten Fällen, wenigstens in den modernen zivilisierten Ländern, von politischen Parteien geführt werden; dass die politischen Parteien in der Regel von mehr oder minder stabilen Gruppen der autoritativsten, einflussreichsten, erfahrensten, auf die verantwortungsvollsten Posten gestellten Personen geleitet werden, die man Führer nennt. Das alles sind Binsenwahrheiten.

Aus: „Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit des Kommunismus“ Lenin Werke Band 31, Seite 26.

 

Das Verhältnis zwischen Führer, Partei, Klasse und Masse und damit zugleich das Verhältnis der Diktatur des Proletariats und seiner Partei zu den Gewerkschaften hat bei uns jetzt konkrete Form angenommen: Die Diktatur wird durch das in den Sowjets organisierte Proletariat verwirklicht, dessen Führer die Kommunistische Partei der Bolschewiki ist, …

Keine einzige wichtige politische oder organisatorische Frage wird in unserer Republik von irgendeiner staatlichen Institution ohne Direktive des Zentralkomitees unserer Partei entschieden.

Die Partei stützt sich bei ihrer Arbeit unmittelbar auf die Gewerkschaften, …

Faktisch bestehen alle leistenden Körperschaften der weitaus meisten Verbände und in erster Linie natürlich der Zentrale oder des Büros aller Gewerkschaften ganz Russlands … aus Kommunisten und (sie) führen alle Direktiven der Partei durch. Im großen und ganzen haben wir also einen der Form nach nicht kommunistischen, elastischen und verhältnismäßig umfassenden, überaus mächtigen proletarischen Apparat, durch den die Partei mit der Klasse und der Masse eng verbunden ist und durch den, unter Führung der Partei, die Diktatur der Klasse verwirklicht wird. Ohne die engste Verbindung mit den Gewerkschaften, ohne ihre tatkräftige Unterstützung, ohne ihre selbstlose Arbeit beim Aufbau nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Armee, hätten wir das Land selbstverständlich keine 2 ½ Monate, geschweige denn 2 ½ Jahre regieren und die Diktatur ausüben können.

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Zum Verhältnis von Führer – Partei – Klasse – Masse – 2 -

… Diktatur (bedeutet) soviel … wie Führung, Zusammenfassung der zersplitterten, zerstreuten werktätigen Massen, ein geschlissenes einheitliches Ganzes zum Sieg über die Kapitalisten, damit sich das Blutbad, das uns schon einmal 10 Millionen Tote und 20 Millionen Krüppel gekostet hat, nicht mehr wiederholt. Um eine Macht zu besiegen, die sich auf starke Armeen, auf die moderne Kultur stützt, ist die Geschlossenheit aller Werktätigen, ist ein einheitlicher eiserner Wille notwendig. Und diesen einheitlichen eisernen Willen können nur die werktätigen Massen aufbringen, nur das Proletariat, nur die klassenbewussten Arbeiter, ….

Aus: Referat auf dem I. Gesamtrussischen Kongress der werktätigen Kosaken.“ Lenin Werke Band 30, Seite 389-390

… die Schlussfolgerung …, die für uns von größter Wichtigkeit ist und von der wir uns in unserer gesamten Tätigkeit leiten lassen müssen: Historisch siegt die Klasse, die fähig ist, die Massen der Bevölkerung zu führen.

… (wir) haben … uns inzwischen durch die Erfahrungen davon überzeugt, dass der Klassenkampf in revolutionären Zeiten in den furchtbarsten Formen geführt wird, dass er aber nur dann siegreich sein kann, wenn die Klasse, die ihn führt, imstande ist, die Mehrheit der Bevölkerung für sich zu gewinnen. In dieser Hinsicht … haben diese Erfahrungen … gezeigt, dass wir die Herrschaft eben der Klasse verwirklichen, deren Mehrheit hinter uns steht, wobei wir besser als jede andere Partei die Bauernschaft als unseren Freund und Bundesgenossen gewinnen.

Aus: „VIII. Gesamtrussische Konferenz der KPR (B)“ Lenin Werke Band 30, Seite 164

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Zum Verhältnis von Führer – Partei – Klasse – Masse – 1 -

Zum Verhältnis von Führer – Partei – Klasse – Masse:

„… Herr W. W. bei den liberalen Vertretern unserer „kultivierten Gesellschaft“) Er spricht von einem „Konflikt zwischen der Idee der historischen Notwendigkeit und der Bedeutung der persönlichen Tätigkeit“: Die Männer der Öffentlichkeit irren, wenn sie Handelnde zu sein glauben, während sie „Behandelte“ sind, „Marionetten, die aus geheimnisvollem Untergang durch die immanenten Gesetze der historischen Notwendigkeit gegängelt werden“. … Es handelt sich hier um ein beliebtes Steckenpferd des subjektiven Philosophen, um die Idee des Konflikts zwischen Determinismus und Moral, zwischen der historischen Notwendigkeit und der Bedeutung der Persönlichkeit. …

Die Idee des Determinismus, die die Notwendigkeit der menschlichen Handlung feststellt und die unsinnige Fabel von der Willensfreiheit zurückweist, verwirft damit keineswegs die Vernunft, das Gewissen des Menschen oder eine Bewertung seines Handelns. Ganz im Gegenteil, nur die deterministische Auffassung gestattet eine strenge und richtige Bewertung und schließt aus, dass alles mögliche auf den freien Willen abgewälzt wird. Desgleichen schmälert die Idee der historischen Notwendigkeit auch die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte nicht im mindesten: alle Geschichte stellt sich gerade als die Gesamtheit der Handlungen von Personen dar, die zweifellos Handelnde sind.

Die eigentliche Frage bei der Beurteilung der öffentlichen Tätigkeit einer Persönlichkeit lautet: Unter welchen Bedingungen ist dieser Tätigkeit ein Erfolg gesichert? Wodurch wird garantiert, dass diese Tätigkeit kein vereinzelter Akt bleibt, der in einem Meer entgegengesetzter Akte untergeht? …

Auf welche Weise soll die auf die Verwirklichung der sozialistischen Ordnung gerichtete Tätigkeit die Massen heranziehen, damit sie handgreifliche Ergebnisse zeitige?Offenkundig hängt die Lösung dieser Frage direkt und unmittelbar davon ab, welche Vorstellung man von der Gruppierung der gesellschaftlichen Kräfte … und von dem Kampf der Klassen hat, durch den die … Wirklichkeit gestaltet wird. …. Die sozialdemokratische Lösung der Frage beruht bekanntlich auf der Ansicht, dass die … ökonomischen Zustände eine bürgerliche Gesellschaft repräsentieren, aus der es nur einen, aus dem Wesen der ganzen bürgerlichen Gesellschaftsordnung selbst sich notwendigerweise ergebenden Ausweg beben kann, nämlich den Klassenkampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie.“

Aus: „Was sind die „Volksfreunde“ und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten?“ Lenin Werke Band 1, Seite 151-153

… Verhältnis zwischen Führer, Partei, Klasse und Masse …

Ein Zitat aus: „Der “linke Radikalismus”, die Kinderkrankheit des Kommunismus“, Abschnitt VI, „Sollen Revolutionäre in den reaktionären Gewerkschaften arbeiten?“,  entnommen eines Heftes der „Bücherei des Marxismus-Leninismus“ Dietz Verlag Berlin 1985, Seite 39, sowie eine Anmerkung dazu, aus besagtem Heft, Seite 130.

„Um das klarzumachen, will ich mit der von uns gemachten Erfahrung beginnen – entsprechend dem allgemeinen Plan der vorliegenden Schrift, die den Zweck hat, auf Westeuropa das anzuwenden, was in der Geschichte und der heutigen Taktik als Bolschewismus allgemein anwendbar, von allgemeiner Bedeutung und allgemeiner Gültigkeit ist.

Das Verhältnis zwischen Führer, Partei, Klasse und Masse und damit zugleich das Verhältnis der Diktatur des Proletariats und seiner Partei zu den Gewerkschaften hat bei uns jetzt konkret folgende Form angenommen: Die Diktatur wird durch das in den Sowjets organisierte Proletariat verwirklicht, dessen Führer die Kommunistische Partei der Bolschewiki ist, die nach den Angaben des letzten Parteitages (April 1920) 611.000 Mitglieder zählt. Die Zahl der Mitglieder schwankt sowohl vor als auch nach der Oktoberevolution sehr stark und war früher, sogar in den Jahren 1918 und 1919, viel geringer. Wir fürchten eine übermäßige Ausdehnung der Partei, denn in eine Regierungspartei versuchen sich unvermeidlich Karrieristen und Gauner einzuschleichen, die nur verdienen, erschossen zu werden. Das letztemal haben wir die Partei weit geöffnet, als (im Winter 1919) Judenitsch wenige Werst vor Petrograd und Denikin in Orjol (etwa 350 Werst von Moskau) stand, d. h. als der Sowjetrepublik höchste, tödliche Gefahr drohte und als Abenteurer, Karrieristen, Gauner und überhaupt  unsichere Elemente keineswegs auf eine gute Karriere (eher auf Galgen und Folter) rechnen konnten, wenn sie sich den Kommunisten anschlossen.“

In der ersten Anmerkung auf Seite 130 ist zu lesen:

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Profit und Waghalsigkeit des Kapitals.

Und wie schreibt Marx im Kapital:

„Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren (anfeuern).“


Karl Marx, Das Kapital, Band 1, Dietz Verlag Berlin 1986, Seite 788, Fußnote 250. (VII. Abschnitt – Der Akkumulationsprozess des Kapitals)

Klassenkampf und Krieg

Klassenkampf und Krieg

 

Aus „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“ entnommen, Lenin, Werke Band 23. Dietz Verlag Berlin 1987

zwei Zitate:

Seite 75: „Eine unterdrückte Klasse, die nicht danach strebt, Waffenkenntnis zu gewinnen, in Waffen geübt zu werden, Waffen zu besitzen, eine solche unterdrückte Klasse ist nur wert, unterdrückt, misshandelt und als Sklave behandelt zu werden. Wir dürfen, ohne uns zu bürgerlichen Pazifisten und Opportunisten zu degradieren, nicht vergessen, dass wir in einer Klassengesellschaft leben und dass außer dem Klassenkampf keine Rettung daraus möglich und denkbar ist.“

Seite 78: „Sie werden vielmehr ihren Söhnen sagen: „Du wirst bald groß sein, man wird dir das Gewehr geben. Nimm es und erlerne gut alles Militärische – das ist nötig für die Proletarier, nicht um gegen deine Brüder zu schießen, wie es jetzt in diesem Räuberkriege geschieht und wie dir die Verräter des Sozialismus raten, sondern um gegen die Bourgeoisie deines ‚eigenen’ Landes zu kämpfen, um der Ausbeutung, dem Elend und den Kriegen nicht durch fromme Wünsche, sondern durch das Besiegen der Bourgeoisie und deren Entwaffnung ein Ende zu bereiten.““

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Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus

Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus

 

Gedruckt nachzulesen in: Lenin Werke, Band 19, Seite 3-9; Dietz Verlag Berlin, 1977

W.I. Lenin

Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus (1)

Die Lehre von Marx stößt in der ganzen zivilisierten Welt auf die erbittertste Feindschaft und den größten Haß der gesamten bürgerlichen Wissenschaft (der offiziellen wie der liberalen), die im Marxismus eine Art “schädlicher Sekte” erblickt. Ein anderes Verhalten kann man auch nicht erwarten, denn eine “unparteiische” Sozialwissenschaft kann es in einer auf Klassenkampf aufgebauten Gesellschaft nicht geben. Jedenfalls ist es Tatsache, daß die gesamte offizielle und liberale Wissenschaft die Lohnsklaverei verteidigt, während der Marxismus dieser Sklaverei schonungslosen Kampf angesagt hat. In einer Gesellschaft der Lohnsklaverei eine unparteiische Wissenschaft zu erwarten wäre eine ebenso törichte Naivität, wie etwa von den Fabrikanten Unparteilichkeit zu erwarten in der Frage, ob man nicht den Arbeitern den Lohn erhöhen sollte, indem man den Profit des Kapitals kürzt.

Doch nicht das allein. Die Geschichte der Philosophie und die Geschichte der Sozialwissenschaft zeigen mit aller Deutlichkeit, daß der Marxismus nichts enthält, was einem “Sektierertum” im Sinne irgendeiner abgekapselten, verknöcherten Lehre ähnlich wäre, die abseits von der Heerstraße der Weltzivilisation entstanden ist. Im Gegenteil: Die ganze Genialität Marx’ besteht gerade darin, daß er auf die Fragen Antworten gegeben hat, die das fortgeschrittene Denken der Menschheit bereits gestellt hatte. Seine Lehre entstand als direkte und unmittelbare Fortsetzung der Lehren der größten Vertreter der Philosophie, der politischen Ökonomie und des Sozialismus.

Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist. Sie ist in sich geschlossen und harmonisch, sie gibt den Menschen eine einheitliche Weltanschauung, die sich mit keinerlei Aberglauben, keinerlei Reaktion, keinerlei Verteidigung bürgerlicher Knechtung vereinbaren läßt. Sie ist die rechtmäßige Erbin des Besten, was die Menschheit im 19. Jahrhundert in Gestalt der deutschen Philosophie, der englischen Ökonomie und des französischen Sozialismus hervorgebracht hat. Auf diese drei Quellen und gleichzeitige Bestandteile des Marxismus wollen wir denn auch kurz eingehen.

I

Die Philosophie des Marxismus ist der Materialismus. Im Laufe der gesamten neuesten Geschichte Europas und insbesondere Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich, wo eine entscheidende Schlacht gegen alles mittelalterliche Gerümpel, gegen den Feudalismus in den Einrichtungen und in den Ideen geschlagen wurde, erwies sich der Materialismus als die einzige folgerichtige Philosophie, die allen Lehren der Naturwissenschaften treu bleibt, die dem Aberglauben, der Frömmelei usw. feind ist. Die Feinde der Demokratie waren daher aus allen Kräften bemüht, den Materialismus “zu widerlegen”, zu untergraben und zu diffamieren, und nahmen die verschiedenen Formen des philosophischen Idealismus in Schutz, der stets, auf diese oder jene Art, auf eine Verteidigung oder Unterstützung der Religion hinausläuft.

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… Theorie wird zur materiellen Gewalt …

Ein interessantes Werk, welches ich auf Grund einer Diskussion mal wieder gelesen habe. Eigentlich ging es um ein Zitat, welches einem anderem Autor zugeschrieben wurde, aber von Marx stammte. Auch ist verblüffend wie aktuelle diese Schrift ist, gerade auch darin, was über die Mentalität der Deutschen gesagt wird. Die folgende Zitate sind aber allgemeinere Aussagen, das Ausschlaggebende Zitat habe ich hervorgehoben:

Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung“

Karl Marx/ Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 1. Berlin/DDR. 1976. S. 378-391. und - hier nachzulesen -

- Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.

- Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.

- Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.

- Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.

- Mit ihnen im Kampf ist die Kritik keine Leidenschaft des Kopfs, sie ist der Kopf der Leidenschaft. Sie ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will. Denn der Geist jener Zustände ist widerlegt. An und für sich sind sie keine denkwürdigen Objekte, sondern ebenso verächtliche, als verachtete Existenzen. Die Kritik für sich bedarf nicht der Selbstverständigung mit diesem Gegenstand, denn sie ist mit ihm im reinen. Sie gibt sich nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Ihr wesentliches Pathos ist die Indignation, ihre wesentliche Arbeit die Denunziation.

- Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert.

- Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem |am Menschen| demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.

- Sogar das moralische Selbstgefühl der deutschen Mittelklasse beruht nur auf dem Bewußtsein, die allgemeine Repräsentantin von der philisterhaften Mittelmäßigkeit aller übrigen Klassen zu sein.

- Der König, indem er das Volk für sein Privateigentum erklärt, spricht es nur aus, das der Privateigentümer König ist.

- Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, …